Nachhaltiger Einkaufsassistent
Künstliche Intelligenz (KI) zur Förderung eines gesünderen und nachhaltigen Lebensmitteleinkaufs

Nachhaltigkeit ist ein viel benutztes und diskutiertes Schlagwort, transparente Einkaufskriterien zu einer besseren Ökobilanz auf dem Teller sind allerdings Mangelware: Wie gestaltet sich ein vernünftiger und umweltschonender Einkauf? Welches Lebensmittel ist nun ökologischer? Hilfestellung kann der „Nachhaltige Einkaufsassistent“ geben. Das neue Künstliche-Intelligenz-Projekt am bayerischen Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) geht nun an den Start. Der Einkaufsassistent, der später auch als App zur Verfügung stehen soll, verknüpft Daten zur Klimawirkung, Landnutzung oder dem Wasserverbrauch und kann so eine schnellere Orientierung beim Lebensmitteleinkauf bieten. Dazu erhält das Kompetenzzentrum für Ernährung Fördermittel durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Durchgeführt wird das Projekt gemeinsam mit dem Projektpartner IBM und dem Forschungspartner fortiss.

Gibt es eine Lebensmittelkennzeichnung für nachhaltige Ernährung?

© Adobe Stock

Hintergrund zum Projekt

Laut einer globalen Studie des Capgemini Research Institute kaufen acht von zehn Verbraucherinnen und Verbrauchern lieber verantwortungsbewusst und umweltfreundlich ein (Capgemini Research Institute, 2020). Eine Vielzahl von Informationen wie Label, Siegel und Nährwerttabellen auf der Verpackung helfen beim Einkauf aber nicht unbedingt weiter, wenn es darum geht, gesunde und zugleich nachhaltige Lebensmittel auszuwählen. Bio-Tomaten in der Plastikverpackung aus Spanien oder unverpackte Tomaten aus der Region – welche Wahl verursacht einen kleineren ökologischen Fußabdruck? Die Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten eine Flut an Informationen, die nur sehr schwierig zu verstehen oder zuzuordnen ist.

Um eine schnelle Orientierungshilfe für einen nachhaltigen Einkauf im Supermarkt zu ermöglichen, hat das KErn zusammen mit IBM und dem Forschungsinstitut fortiss das dreijährige Forschungsvorhaben „Nachhaltiger Einkaufsassistent“ im Februar 2021 begonnen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert seit vergangenem Jahr über die "Bekanntmachung zur Förderung der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Landwirtschaft, der Lebensmittelkette, der gesundheitlichen Ernährung und den Ländlichen Räumen" Forschungsvorhaben zur Nutzung von KI-Technologien. Das BMEL fördert hierfür acht ausgewählte KI-Verbundprojekte mit insgesamt mehr als 10 Millionen Euro. Bayernweit wurde ein Projektvorhaben des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) ausgewählt, das gesundheitlichen Verbraucherschutz und nachhaltige Ernährung im Blickpunkt hat.

Vorgehensweise

Gegenstand des Forschungsvorhabens mit dem Titel „Nachhaltiger Einkaufsassistent“ ist die Entwicklung einer web-basierten App für den ressourcenschonenden Einkauf. Die Nachhaltigkeit eines Produkts soll über einen möglichst transparenten und im Projekt entwickelten Nachhaltigkeitsindex angezeigt werden. Dazu werden vom Projektteam in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten relevante Nachhaltigkeitskriterien definiert und ein Berechnungsmodell für den Index erstellt. KI-Technologien unterstützen diesen Prozess, sie können Wissen aus unterschiedlichen Quellen modellieren und verknüpfen. Datenbanken mit Parametern wie CO2-Äquivalenten, Wasserverbrauch, Tierwohl und Flächenverbrauch werden zusammengeführt beziehungsweise eine Metadatenbank entwickelt.

Ein virtueller Sprachassistent (Chatbot) – eine durch künstliche Intelligenz angereicherte Software - ist ebenso vorgesehen. Er führt den Verbraucher über einfache Dialoge und stellt dabei schnell und flexibel Informationen zur Verfügung. Der Einkauf gesunder und umweltschonend hergestellter Lebensmittel soll so über den Nachhaltigen Einkaufsassistenten wesentlich erleichtert werden und langfristig die Transformation hin zu einem enkeltauglichen Ernährungssystem unterstützen.

Ziel des "Nachhaltigen Einkaufsassistenten"

Übersicht über die Vorgehensweise und Ziele des Nachhaltigen EinkaufsassistentenZoombild vorhanden

Abbildung: fortiss, KErn, Nachhaltiger Einkaufsassistent & Digitale Plattform

Täglich treffen Verbraucher rund 200 Entscheidungen rund um das Thema Essen. Nicht jede dieser Entscheidungen ist rein faktenorientiert. Genau hier soll die zukünftige App anknüpfen. Ziel ist es, dass zukünftig beim Einkaufen direkt ersichtlich ist, wie viel Wasser beispielsweise bei der Herstellung eines Produktes verbraucht wurde, wie lange der Transportweg war und wieviel CO2 insgesamt dabei freigesetzt wurde. Viele Aspekte der Nachhaltigkeit können so auf einem Blick im Auge behalten werden. Ein weiteres Ziel ist, das Potenzial von künstlicher Intelligenz anwenderfreundlich zu erschließen und neue digitale Werkzeuge für die Praxis nutzbar zu machen. Der „Nachhaltige Einkaufsassistent“ soll im Jahr 2024 dann auch als Handy-App zur Verfügung stehen.

Projektinformation

Förderkennzeichen: 28-D-K1.27A-20 KI-SusCheck
Projektleitung: Silvia Hrouda
Projektlaufzeit: 26. Februar 2021 bis 25. Februar 2024
Gefördert durch Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Projektträger Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung IBM Logo Fortiss Logo