Online-Kongress
Essen verbindet – Pflege und Verpflegung Hand in Hand

Imagebild Seniorenernährung

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Am 25. November 2021 veranstalteten das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF), das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) und das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) einen Online-Fachkongress unter dem Motto „Essen verbindet – Pflege und Verpflegung Hand in Hand“. Rund 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil, die sich an alle Entscheider in der Seniorenverpflegung, wie Einrichtungs-, Pflegedienst-, Hauswirtschafts- und Küchenleitungen sowie Qualitätsmanagementbeauftragte richtete. Des Weiteren waren Behörden, Verbände und sonstige Institutionen ebenfalls herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Wie erreichen Sie durch die Berücksichtigung der individuellen Essbiografie, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner in der Senioreneinrichtung wie zu Hause fühlen? Wie können Sie in Ihrer Einrichtung den Fokus auf die vorhandenen Kompetenzen der älteren Menschen legen und bedürfnisorientiert handeln? Wie gehen Küchen-, Hauswirtschafts- und Pflegepersonal Hand in Hand für eine erfolgreiche Kommunikation und Zusammenarbeit? Wie können Sie dazu beitragen, dass auch alleinlebende Seniorinnen und Senioren am Alltag der Einrichtung teilnehmen und eine gute Verpflegung erhalten?

Moderation Florian Schrei (BR)Zoombild vorhanden

Moderator: Florian Schrei (Bayerischer Rundfunk)
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Diese und viele weitere Fragen wurden im Rahmen von spannenden und informativen Impulsvorträgen, einer Podiumsdiskussion und einem Praxisbeispiel beim Online-Fachkongress beantwortet. Die Veranstaltung wurde von Florian Schrei (Bayerischer Rundfunk) moderiert. Staatsministerin Michaela Kaniber und Staatsminister Klaus Holetschek eröffneten mit Videobotschaften die gemeinsame Veranstaltung beider Staatsministerien.
Referentin Online-SeniorenkongressZoombild vorhanden

Dr. Esther Gajek (Universität Regensburg)
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Dr. Esther Gajek (Universität Regensburg) führte mit ihrem Impulsvortrag auf das komplexe Thema „Essen im Alter“ hin und legte ihren Schwerpunkt hierbei auf die Essbiografie und die Geschmackserinnerungen. Daraus leitete sie ab, wie wichtig die Berücksichtigung der individuellen Essbiografie für die Seniorenverpflegung in den Einrichtungen ist: „Geschmackserinnerungen sind Teil der Identität und Essen ist eine letzte Form der Selbstbestimmtheit.“ Sie verdeutlichte zudem, dass Essen für die Bewohnerinnen und Bewohnern oft auch mit einer hohen Emotionalität verknüpft ist.
Referentin Online-SeniorenkongressZoombild vorhanden

Prof. i. R. Dr. Sabine Bartholomeyczik (Universität Witten-Herdecke)
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Prof. i. R. Dr. Sabine Bartholomeyczik (Universität Witten-Herdecke) sensibilisierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Bedeutung des Themas „Mangelernährung“ und zeigte Probleme sowie Lösungsmöglichkeiten in der Altenpflege in Anlehnung an den Expertenstandard auf, der vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) herausgegeben wird. Sie erläuterte, dass Mangelernährung eine große Bedeutung im System pflegebedürftiger Menschen hat: „Mangelernährung hängt eng mit der Intensität der Pflegebedürftigkeit zusammen.“
Podiumsdiskussion auf dem Online-SeniorenkongressZoombild vorhanden

Kathrin Barow (FQA, Landratsamt Günzburg)
Herbert Thill (KostKonform, Edertal Gellershausen),
Bernd Weist (Diakonisches Sozialzentrum, Rehau)
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Für jede stationäre Senioreneinrichtung stellt die Gestaltung der Verpflegung eine verantwortungsvolle Aufgabe dar, die eine gute Vernetzung von Pflege, Küche und Hauswirtschaft erfordert. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Kathrin Barow (FQA, Landratsamt Günzburg), Herbert Thill (KostKonform, Edertal Gellershausen) und Bernd Weist (Diakonisches Sozialzentrum, Rehau) wurde die Brisanz des Themas „Schnittstellenmanagements“ hervorgehoben. Diese zeigte auf, dass eine Vernetzung der unterschiedlichen Bereiche und eine gute Kommunikation die Basis für eine gelingende Zusammenarbeit sind. „Die Pflege muss für das Thema Essen sensibilisiert werden“, so Weist. Die Berichte aus der Praxis zeigten auf, welche Probleme vorhanden sind und welche Erfolgsfaktoren dazu beitragen können, sie zu lösen. „Wichtig ist, dass Abläufe strukturiert sind und jeder weiß, wer, wofür zuständig ist. Es muss Verantwortliche geben, die den Bewohner nach dem Einzug begleiten, beobachten und vernetzen“, so Barow. Sichtweisen und Bedürfnisse der einzelnen Bereiche wurden deutlich und konnten zusammengeführt werden. Herbert Thill betonte, dass ein wertschätzender Umgang miteinander die Basis einer guten Zusammenarbeit ist.
Projektvorstellung Online-SeniorenkongressZoombild vorhanden

Dr. Christiane Brunner (KErn),
Uwe Holland (Seniorenresidenz Sandmühle),
Edeltraud Haug-Uhl (Bürgerstift Memmingen)
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Die Vorstellung des Projektes „Gemeinsam essen - so nah!“ beleuchtete abschließend die erfolgreiche Einführung eines Offenen Mittagstisches bzw. von Essen auf Rädern durch stationäre Senioreneinrichtungen. Beispiele aus der Praxis motivierten andere Einrichtungen zur Öffnung der eigenen Verpflegungsleistung. Dr. Christiane Brunner (Kompetenzzentrum für Ernährung) erörterte im Gespräch mit Edeltraud Haug-Uhl (Hauswirtschafts- und Küchenleitung, stv. Einrichtungsleitung Bürgerstift Memmingen) und Uwe Holland (Küchenleitung, Seniorenresidenz zur Sandmühle, Kahl am Main) die Vorteile eines Offenen Mittagstischs bzw. von Essen auf Rädern für Senioreneinrichtungen sowie alleinlebende Seniorinnen und Senioren. Ebenso wurden die Herausforderungen bei der Einführung dieser Angebote beleuchtet. Edeltraud Haug-Uhl verdeutlichte die vielen positiven Aspekte des Offenen Mittagstisches: „Externe und Bewohner essen gemeinsam im Speisesaal und haben Kontakt zueinander – so ist ein großes Netzwerk entstanden. Auch für die externen Senioren ist es ein Vorteil: Sie sind „beschützt“, es wird sich um sie gekümmert, es fällt auf, wenn jemand mal nicht kommt. Die Öffnung stellt eine Win-Win-Situation für alle Seiten dar.“ Eine Teilhabe über alle Generationen hinaus war auch Uwe Holland wichtig. „Die Zielgruppe bei Essen auf Rädern sind neben den Seniorinnen und Senioren auch junge Familien, die Hilfe benötigen. Es kann bestellen, wer möchte.“
Abschlussworte MinisterienZoombild vorhanden

Marina Klötz (StMGP)
Melanie Reichlmayr (StMELF)
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Durch die Möglichkeit, Fragen im Chat zu stellen, gestalteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Online-Kongress interaktiv mit. Durch das Tool „Mentimeter“ konnte darüber hinaus Echtzeit-Feedback gegeben werden.

Beide Ministerien schlossen die Veranstaltung mit Dankesworten und dem Fazit: „Essen verbindet alle Professionen – Essen verbindet auch über die Ministeriumsgrenzen hinaus.“