„Future of Food 2.0“ – Wachstumsfelder, Folgen, Einordnung

Eine kleine Erdkugel liegt auf einem Teller mit BesteckZoombild vorhanden

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Die Lebensmittelwirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Studie „Future of Food 2.0“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung des Unternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC), zeigt, in welchen neun Bereichen bis 2035 das größte Wachstum entsteht – und warum Unternehmen jetzt klar entscheiden, wo sie investieren und mit wem sie zusammenarbeiten.

Zusammenfassung der Teilnahme am webcast “Future of Food 2.0 – Capturing growth in a transforming global food
ecosystem” am 13.04.2026 vom WiDi am KErn

1 │Einordnung und Kurzüberblick

a. Ausgangspunkt


Die Studie „Future of Food 2.0“ beschreibt neun neue Wachstumsbereiche im globalen Ernährungssystem und schätzt deren Umsatzpotenzial bis 2035. Grundlage sind externe Marktanalysen, das PwC-Expertennetzwerk und 30 Interviews mit Führungskräften aus Unternehmen und Genossenschaften. Die Publikation ist vor allem eine strategische Überblicksstudie: Sie zeigt besonders dynamische Bereiche, aber keine vollständige Prognose für das gesamte Ernährungssystem (PwC/Strategy&, 2026, S. 5, 10).

b. Kurzüberblick

ThemaKernaussage
MarktgrößeDie neun Wachstumsfelder erreichen bis 2035 rund 3,1 Bio. US-Dollar; das durchschnittliche jährliche Wachstum liegt bei 7,7 %.
Drei BereicheDer Bereich Konsum dominiert mit 2,06 Bio. US-Dollar vor Verarbeitung (680 Mrd.) und Landwirtschaft (400 Mrd.).
Größter BereichGesundheit und Ernährung ist mit 800 Mrd. US-Dollar das größte einzelne Wachstumsfeld.
Stärkstes WachstumNeue landwirtschaftliche Betriebsmittel (+25 %) und Einkaufserlebnis (+15 %) wachsen am schnellsten.
KernaussageWertschöpfung erfordert klare Prioritäten, passende Partnerschaften, geeignete Kennzahlen und belastbare Wege zur Ausweitung.

Quelle: Eigene Darstellung nach PwC/Strategy& (2026, S. 6, 11, 13, 22, 28–34).

Die befragten Führungskräfte nennen vor allem drei Entwicklungen: gesundheitsorientierte Ernährung, schnell veränderte Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Klima- und Umweltveränderungen. Digitale Technologien und Künstliche Intelligenz wirken in vielen Bereichen als Treiber, wurden aber nicht als eigenes Wachstumsfeld berechnet (PwC/Strategy&, 2026, S. 6–8, 12).

2 │Methode und Grenzen

a. Studiendesign


PwC/Strategy& wählt neun Wachstumsfelder auf Basis externer Marktanalysen, des globalen Expertennetzwerks und von 30 Interviews mit Führungskräften aus. Für jedes Feld werden Umsatzgrößen für 2025, 2030 und 2035 mit einer einheitlichen Logik entlang der Wertschöpfungskette geschätzt. Die Studie verbindet damit Marktschätzungen mit strategischer Einordnung (PwC/Strategy&, 2026, S. 10).

b. Methodische Einordnung


Wesentliche Begrenzung: Die neun Felder bilden nicht das gesamte Ernährungssystem ab. Nach PwC beruhen rund 90 % des erwarteten Werts auf Verschiebungen von bestehenden zu neuen Teilmärkten; nur rund 10 % sind zusätzlicher Wertzuwachs. Übergreifende Treiber – etwa Künstliche Intelligenz, Finanzierung, Regulierung, Ernährungssicherheit, Lebensmittelverluste oder Kreislaufwirtschaft sowie regionale Unterschiede werden beschrieben, aber nicht gesondert berechnet (PwC/Strategy&, 2026, S. 12).

Bereich20252035Kurzbeschreibung
Landwirtschaft150 Mrd. US$400 Mrd. US$Neue Betriebsmittel, vernetzte Systeme und Infrastruktur
Verarbeitung290 Mrd. US$680 Mrd. US$Verarbeitung, alternative Zutaten und Proteine, Verpackung
Konsum1,06 Bio. US$ 2,06 Bio. US$Gesundheit, schnelle Versorgung und Einkaufserlebnis
Gesamt1,5 Bio. US$3,1 Bio. US$Jährliches Wachstum 7,7 %; das gesamte Ernährungssystem wächst deutlich langsamer

Quelle: Eigene Darstellung nach PwC/Strategy& (2026, S. 22).

Hier liegen die größten Umsatzpotenziale. PwC betont zugleich, dass Preis und Geschmack weiterhin entscheidend bleiben, während Gesundheit, schnelle Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit je nach Zielgruppe wichtiger werden (PwC/Strategy&, 2026, S. 23–27).

3 │Überblick über die neun Wachstumsfelder

a. Bereich Konsum

Wachstumsfeld2035Wachstum pro JahrKurzbeschreibung
Gesundheit und Ernährung800 Mrd. US$+5 %Funktionelle Lebensmittel, Nahrungsergänzung, personalisierte Ernährung
Schnelle und bequeme Versorgung630 Mrd. US$+4 %Lieferdienste, Schnelllieferung, Kochboxen, smarte Küchengeräte
Einkaufserlebnis630 Mrd. US$+15 %Handelswerbung, automatische Kassen, KI-Einkaufssysteme

Quelle: Eigene Darstellung nach PwC/Strategy& (2026, S. 22).

Hier liegen die größten Umsatzpotenziale. PwC betont zugleich, dass Preis und Geschmack weiterhin entscheidend bleiben, während Gesundheit, schnelle Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit je nach Zielgruppe wichtiger werden (PwC/Strategy&, 2026, S. 23–27).

b. Bereich Verarbeitung

Wachstumsfeld2035Wachstum pro JahrKurzbeschreibung
Moderne Verarbeitung80 Mrd. US$+10 %Automatisierung, Hochdruckbehandlung, 3D Druck von Lebensmitteln
Alternative Zutaten und Proteine170 Mrd. US$+13 %Pflanzenbasierte Proteine, Fermentation, kultiviertes Fleisch, Insektenproteine
Nachhaltige Verpackungen430 Mrd. US$ +7 %Recycelbare, abbaubare und kompostierbare Verpackungen

Quelle: Eigene Darstellung nach PwC/Strategy& (2026, S. 18–20).

In diesem Bereich treffen Effizienz, Regulierung und neue Materialien aufeinander. Besonders Verpackungen und Fermentation gelten als wichtig; kultiviertes Fleisch bleibt dagegen ein frühes Feld und hängt stark von Regulierung ab (PwC/Strategy&, 2026, S. 18–20).

c. Bereich Landwirtschaft

Wachstumsfeld2035Wachstum pro JahrKurzbeschreibung
Neue Betriebsmittel90 Mrd. US$+25 %Neue Züchtungstechnik, biologische Mittel, Futterzusätze gegen Methan
Vernetzte Anbausysteme90 Mrd. US$+12 %Präzisionsgeräte, Sensorik, Betriebssoftware, regenerative Bewirtschaftung
Landwirtschaftliche Infrastruktur220 Mrd. US$+7 %Geschützte Anbausysteme, Agrivoltaik, solarbetriebene Kühlung

Quelle: Eigene Darstellung nach PwC/Strategy& (2026, S. 13–16).

PwC macht deutlich, dass die Ausweitung in diesem Bereich vor allem davon abhängt, ob landwirtschaftliche Betriebe neue Lösungen tatsächlich übernehmen. Entscheidend sind klare wirtschaftliche Vorteile, verlässliche Regeln, sichtbare Praxisergebnisse, Zusammenarbeit und Nachfrage aus dem Markt (PwC/Strategy&, 2026, S. 15–16).

4 │Zentrale Aussagen der Studie

1. Die größten Umsätze liegen nah am Konsum.

Der größte Teil der erwarteten Umsätze entsteht bei Angeboten für Verbraucherinnen und Verbraucher. Zugleich erhöht der Umbau des Systems den Investitionsdruck in Verarbeitung und Landwirtschaft.

2. Gesundheit und Ernährung ist das wichtigste Einzelthema.

Das größte Wachstumsfeld verbindet Lebensmittel stärker mit Vorbeugung, ergänzenden Inhaltsstoffen und personalisierten Angeboten.

3. Entscheidend ist die Einführung auf den Höfen.

Neue Lösungen in der Landwirtschaft wachsen nur dann, wenn Betriebe Nutzen, Kosten und Risiken klar einschätzen können.

4. Alternative Proteine bleiben wichtig, wachsen aber nicht automatisch.

Vor allem Präzisionsfermentation gilt als chancenreich. Hohe Kosten, Energiebedarf, Regulierung und Akzeptanz bleiben Hürden.

5. Das Einkaufserlebnis wird stärker digital.

Künstliche Intelligenz, Handelswerbung und automatisierte Einkaufssysteme verändern Produktauswahl, Preisgestaltung und Kaufabschluss.

6. Zusammenarbeit ist zentral.

Partnerschaften, Beteiligungen und der gezielte Aufbau neuer Fähigkeiten sind laut Studie notwendig, weil vielen Unternehmen Wissen in neuen Feldern fehlt.

7. Neue Geschäfte brauchen andere Bewertungsmaßstäbe.

Frühe Wachstumsfelder sollten nicht mit denselben Maßstäben bewertet werden wie das bestehende Geschäft. PwC fordert passende Kennzahlen, Geduld und Rückhalt durch die Unternehmensleitung.

(PwC/Strategy&, 2026, S. 11–16, 18–27, 28–32).

5 │Folgerungen für Unternehmen

a. Auswählen, Verbinden, Umsetzen

SchrittBedeutung für Unternehmen
AuswählenWichtige Felder, Szenarien und die eigene Rolle im Ernährungssystem klären.
VerbindenMit Partnern und gemeinsamen Daten fehlende Fähigkeiten ergänzen und Risiken teilen.
UmsetzenGeschäftsmodelle, Einnahmequellen, passende Kennzahlen und digitale Lösungen für Wachstum aufbauen.

Quelle: Eigene Darstellung nach PwC/Strategy& (2026, S. 33–34).

b. Einordnung


Die Studie ist für die strategische Früherkennung nützlich, weil sie zeigt, wo neue Märkte entstehen und wohin sich Umsätze verlagern. Die Marktgrößen sind jedoch modellgestützte Schätzungen und keine genauen Vorhersagen. Für praktische Entscheidungen eignet sich die Studie daher als Orientierungs und Szenariowerkzeug, nicht als alleinige Grundlage für Absatz- oder Investitionspläne (Einordnung auf Basis von PwC/Strategy&, 2026, S. 10–12, 28–34).

Für uns am KErn und der LfL besonders relevant sind Gesundheit und Ernährung, das Einkaufserlebnis sowie neue Betriebsmittel für die Landwirtschaft, weil diese Bereiche frühe Veränderungen im System anzeigen

6 │Fazit

PwC beschreibt eine grundlegende Neuordnung des Ernährungssystems. Zukunftsfähige Wertschöpfung entsteht dort, wo Unternehmen passende Felder auswählen, fehlende Fähigkeiten über Partner ergänzen und neue Geschäftsmodelle über längere Zeit aufbauen. Die Studie ist vor allem eine strategische Landkarte für die nächste Dekade (PwC/Strategy&, 2026, S. 33–34).

7 │Quellen

PwC/Strategy& (2026): Future of Food 2.0. Capturing growth in a transforming global food ecosystem.

PwC (2025): Reconfiguring the global food system: https://www.pwc.com/gx/en/issues/business-modelreinvention/how-we-feed-ourselves/reconfiguring-global-food-system.html (Abgerufen am 16.04.2026)