Die Digitale Rohstoffbörse für nachhaltige Roh- und Reststoffe
Ein digitaler Marktplatz für biobasierte Wirtschaftskreisläufe - „green economy“

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Immer mehr Branchen setzen bei der Wahl ihrer Ausgangsstoffe für die industrielle Produktion und bei der Energiegewinnung mittlerweile bewusst auf nachwachsende Rohstoffe. Jedoch fehlt bislang eine Marktanbindung, das heißt eine ökonomische Handelsplattform für landwirtschaftliche Erzeuger und für Hersteller von biobasierten Produkten, um Roh- und Reststoffe zu handeln.

Über diesen digitalen Marktplatz sollen potenzielle Anbieter und Abnehmer landwirtschaftlicher Roh- und Reststoffe leichter zueinander finden. Landwirtschaftliche Erzeuger finden Abnehmer für ihre Rohstoffe oder für bislang ungenutzte Reststoffe und können so neue Einkommensquellen erschließen. Abnehmer beziehungsweise Hersteller biobasierter Produkte finden neue Ausgangsstoffe und können Handelsbeziehungen stärken. Start-ups im Bereich Produkt- und Geschäftsfeldentwicklung könnten sich besser vernetzen und Geschäftsbeziehungen aufbauen.
Reststoffe und Nebenprodukte aus der Land- und Ernährungswirtschaft.
Wie wichtig die Verwertung von Abfall- und Nebenprodukten ist, zeigt das ungenutzte Potenzial an Rest- und Abfallstoffen aus land- und forstwirtschaftlicher Biomasse. Es beläuft sich auf ca. 30,9 Millionen Tonnen (TS/a) pro Jahr. Auch das jährliche Reststoffaufkommen in der deutschen Lebensmittel- und Biotechnikindustrie von etwa 13 Millionen Tonnen (TS/a) ist erheblich. Kartoffel- und Orangenschalen, Rapskuchen, Wein- und Biertreber, all diese und viele weitere Reststoffe fallen kontinuierlich und tonnenweise in der Lebensmittelindustrie an. Derzeit landen sie größtenteils in der Abfalltonne. Die Erschließung von ernährungsspezifischen Inhaltsstoffen aus Nebenprodukten hat erst begonnen. Jedoch fehlt eine ökonomische Handelsplattform, die sowohl den Food-, als auch den Non-Food-Bereich miteinschließt, so dass neue Wertschöpfungs-netzwerke entstehen können. Die digitale Rohstoffbörse schließt diese Lücke.
Wertschöpfungsnetzwerke am Beispiel der Haselnuss
Das bioökonomische Potenzial von Rohstoffen liegt in der Mehrfachnutzung. Während die Haselnüsse für den Menschen einen hohen ernährungsphysiologischen Nährwert besitzen, verfügen die Haselnussschalen erwiesenermaßen über einen guten Brennwert. Der Haselnusserzeuger kann beispielsweise über die digitale Rohstoffbörse seine Roh- und Reststoffe einstellen.

Ein bewusster und effizienter Umgang mit natürlichen Ressourcen ist die Schlüsselkompetenz einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Das bedeutet Erzeuger und Hersteller für diese Zusammenhänge zu sensibilisieren und neue Wege für den Food- und Non-Food Bereich in der Verwendung von Roh- und Reststoffen aufzuzeigen.
Der Agrarbereich ist daher gefordert, das Nutzungspotenzial von Ernteverlusten, Nebenprodukten und Reststoffen wahrzunehmen. Für Hersteller gilt es, Rest- und Abfallstoffe aus der industriellen Lebensmittelproduktion weiter in die Wertschöpfungskette einzubinden. Der sogenannte „Abfall“ enthält einen Mehrwert: Er steckt voller wertvoller Inhaltsstoffe, wie etwa Proteine, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe.
Biobasiertes Wirtschaften und nachhaltige Produktionskreisläufe sind ein zentrales Thema der Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung. Die Herausforderung liegt in der Etablierung eines Marktes, der sich an ökologischen, ökonomischen und sozial verträglichen Grundsätzen und fairen Handelsstrukturen ausrichtet, sowie an einer effizienten Vernetzung der Akteure. Ein bewusster Umgang mit Roh- und Reststoffen bedeutet ressourcen- und klimaschonendes Wirtschaften und bereitet den Boden für gesunden und umweltverträglichen Konsum und einen nachhaltigen Lebensstil.