Forschungs- und Innovationsprojekt
Beta-Casein A1 und A2 in Milch und mögliche Einflüsse auf die menschliche Gesundheit

Milch und Casein

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Ein Großteil der europäischen und amerikanischen Rinderrassen ist hinsichtlich des beta-Casein-Gens heterozygot, besitzt also ein Gemisch von A1- und A2-beta-Casein und produziert deshalb ein Gemisch aus A1- und A2-Milch. Anhand einer Literaturrecherche sollen Evidenz und Evidenzlücken zum Unterschied zwischen den beiden Milchtypen hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit näher untersucht werden.

Ziel des Projekts

Mittels einer umfangreichen Literaturrecherche wird die vorhandene Evidenz bezüglich der Rolle des A1-beta-Caseins und einer möglichen Risikoerhöhung bei verschiedenen Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 1 oder verschiedenen neurologischen Störungen) zusammengefasst. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Kommunikation zum Thema A1-beta-Casein auf eine solide wissenschaftliche Grundlage zu stellen, welche dem aktuellen Stand der Forschung entspricht. Das Projekt wird die aktuell verfügbare Evidenz zum Thema vollständig kritisch bewerten und zusammenfassen und kann für zukünftige Entscheidungsprozesse als Hilfestellung dienen. Soweit die Daten dies zulassen, ist eine systematische Übersichtsarbeit geplant.

Methode des Projekts

Das Projekt wird in zwei Teilen durchgeführt. Im ersten Teil wurde eine systematische Übersicht und eine Zusammenfassung der bisher durchgeführten wissenschaftlichen Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen von A1-beta-Casein bzw. A2-beta-Casein auf den Menschen erstellt. Dies erfolgte im Rahmen eines Evidence Mappings. Im zweiten Teil des Projekts folgen die Evaluierung der eingeschlossenen Studien sowie die abschließende Bewertung der Ergebnisse.
Die zu bearbeitende Fragestellung wurde nach dem sogenannten PICO-Schema definiert und eingegrenzt. Das PICO-Schema beschreibt eine Vorgehensweise, mit der konkrete Fragenstellungen im medizinischen Zusammenhang erarbeitet werden. Es wird vor allem im Rahmen der evidenzbasierten Medizin (auf empirische Belege gestützte Medizin) genutzt, um Fragen möglichst konkret zu formulieren und die daraus hervorgehenden Ergebnisse gut nutzbar zu machen.
Durch die Festlegung von Ein- und Ausschlusskriterien wird der Inhalt der Evidence Map auf einen sinnvollen, inhaltlich bearbeitbaren Rahmen eingegrenzt. Im ersten Teil des Projekts durchgeführte qualitative Evidenzsynthese erfolgte mithilfe der Methoden des Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Intervention. Der Screening-Prozess der potenziell relevanten Referenzen wurde mithilfe der Online-Software Covidence durchgeführt.

PICO ist ein Akronym und steht für:

  • Patient population – Patient und sein Problem
  • Intervention – Behandlung (Intervention)
  • Comparison – Alternativmaßnahme oder keine Behandlung (Intervention)
  • Outcome – Behandlungsziel (z. B. Mortalität, Lebensqualität)

Ergebnisse des Projekts

Von insgesamt 5.947 Studien wurden am Ende 16 relevante Publikationen identifiziert, die die Ein- und Ausschlusskriterien erfüllten und in die Evidence Map eingeschlossen wurden. Die Studien berichteten Daten zu verschiedenen Endpunkten, u. a. über den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von A1- und/oder A2-beta-Casein und der Inzidenz von Diabetes Typ 1 bzw. von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weiterhin wurden Endpunkte zu neurologischen Erkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden untersucht, meistens jedoch unter Verwendung von Intermediate-Markern. Eine detaillierte Qualitätsbewertung der eingeschlossenen Studien ist bei der Durchführung von Evidence Maps generell nicht vorgesehen, eine solche wird daher erst im 2. Teil des Projekts im Rahmen der systematischen Übersichtsarbeit erfolgen.
Projektinformationen
Projektleitung: Simone Hörrlein
Projektbearbeiterin: Simone Hörrlein
Laufzeit: 01.01.2016–30.04.2018
Finanzierung: Referat M2, Milchwirtschaft
Projektpartner: Cochrane Deutschland am Universitätsklinik Freiburg, Berliner Allee 29, 79110 Freiburg, Deutschland
Förderkennzeichen/Fördernummer: A/16/04 (Kapitel 08 03 TG 53)
Simone Hörrlein, Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn), spricht im Bayerischen Rundfunk über die A2-Milch.