Porträt Christian Oppitz
„Die Wertigkeit von Lebensmitteln muss wieder steigen“

Porträtfoto von Christian Oppitz

Christian Oppitz, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, ©Molkerei Gropper

Christian Oppitz, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Molkerei Gropper GmbH & Co. KG in Bissingen, spricht über das Geheimnis hinter dem Erfolg der Molkerei Gropper, die Notwendigkeit von Innovationen, die Zukunft der Ernährungswirtschaft und seine Wünsche an die gesellschaftliche Entwicklung in Bezug auf den Wert von Lebensmitteln in Deutschland.

Lebensmittel sind die große Leidenschaft von Christian Oppitz, auch wenn sie nichts mit Milch zu tun haben. Daher war der Diplom-Betriebswirt im Laufe seiner Karriere immer bei Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft beschäftigt. Seit 2005 ist Christian Oppitz bei Gropper: Angefangen hat er als Bereichsleiter, seit 2010 ist er Geschäftsführer Marketing und Vertrieb. Damit ist er für die Belange und Wünsche aller Kunden in Deutschland, aber auch denen im Ausland zuständig.
Bei den Zukunftstagen Lebensmittel im Oktober leitet Christian Oppitz den „Zukunftsraum 2“ zum Thema: „In welcher Wechselwirkung stehen Umfeld und Innovationsprozesse?“
Die Molkerei Gropper wurde 1929 als klassische regionale Molkerei gegründet. Heute hat der mittelständische Betrieb, der in dritter Generation inhabergeführt ist, in Bissingen und Stockach rund 750 Mitarbeitende. In den letzten 5 Jahren hat das Unternehmen seinen Umsatz fast verdoppelt, auf 455 Millionen Euro im Jahr 2016. Neben Milchprodukten hat die Molkerei Gropper den Bereich Direktsäfte und Smoothies aufgebaut und ausgeweitet. Der Erfolg wird auch von anderer Seite bestätigt: Nach 2012 und 2014 darf sich die Molkerei Gropper 2017 zum dritten Mal zu den 100 Top-Innovatoren in Deutschland zählen.

Top-Innovatoren Externer Link

Dabei sind Verantwortung und Nachhaltigkeit entscheidende Werte im Unternehmen Gropper. Nachhaltigkeit gegenüber der Umwelt – realisiert durch die hauseigene Energieversorgung mit einem Blockheizkraftwerk, das den Energiebedarf zu 95 Prozent deckt –, aber auch gegenüber der Gesellschaft bzw. den Mitarbeitenden. „Gropper ist ein inhabergeführtes mittelständisches Unternehmen mit 750 Mitarbeitern, das von fast 900 Bauern Milch geliefert bekommt. Das ist eine hohe Verantwortung als regionaler Arbeitgeber. Da steht kein gesichtsloser Konzern dahinter! Diese Verantwortung muss mit unseren wirtschaftlichen Zielen immer wieder in Einklang gebracht werden.“

Werksgelände der Molkerei Gropper in Bissingen, Luftaufnahme

Molkerei Gropper in Bissingen, ©Molkerei Gropper

Konzentration auf Handelsmarken

Vielen Konsumenten dürfte die Marke „Gropper“ gar nicht bekannt sein. Das Unternehmen setzt nämlich nicht auf eine eigene Marke, sondern auf Handelsmarken. Dieser Ansatz unterscheidet die Molkerei Gropper von anderen großen Molkereien, die in erster Linie ihre eigene Marke vertreiben. „Diese beliefern zwar ebenfalls die Handelsmarken von Discountern und Supermärkten. Aber für die geht es dabei in erster Linie darum, ihre Produktion auszulasten. Wir bei Gropper konzentrieren unsere Anstrengungen hingegen ganz auf die Handelsmarken und bieten unser Know-how und unsere Erfahrungen proaktiv dem Handel an, um attraktive Handelsmarken zu entwickeln. Dabei haben wir denselben hohen Anspruch, als ob es unsere eigenen Marken wären.“

Handelsmarken, die von der Molkerei Gropper produziert werden, sind beispielsweise Bio-Milch und Bio-Joghurt beim Discounter Aldi, Milbona (Lidl), Eigenmarken von Edeka und Rewe und weitere Handelsmarken. Zu erkennen sind sie an der sogenannten „Milchnummer“, bei der BY 77723 für die Molkerei Gropper in Bissingen steht.

Erweiterung der Produktpalette um Direktsäfte und Smoothies

Der Grund für das erfolgreiche Wachstum der letzten Jahre liegt laut Christian Oppitz in erster Linie an der Erweiterung auf andere Segmente: „Seit zehn Jahren haben wir auch Bio-Produkte im Sortiment, was vorher gar nicht der Fall war. 2010 kamen Direktsäfte und Smoothies dazu. Am zweiten Standort in Stockach, Baden-Württemberg, werden nur Direktsäfte produziert, in Bissingen werden Milchprodukte (einschließlich Kaffee-Milch-Mischprodukten) sowie Direktsäfte und Smoothies produziert und abgefüllt. Ein Viertel der abgefüllten Menge in Bissingen sind Säfte und Smoothies.“

Eine Molkerei, die auf Saft und Smoothies setzt? Auf den ersten Blick scheinen die beiden Produktlinien nicht viel miteinander gemein zu haben, auf den zweiten Blick hatte Gropper aber perfekte Voraussetzungen für den Einstieg in die Produktion von Direktsäften und Smoothies: „Die Technik und die Abfüllmaschinen waren bereits da, und, viel wichtiger noch: Die Kühltechnik und -logistik war da! Neu aufgebaut werden musste die Beschaffung der Rohwaren. Unsere Orangen kommen zum Beispiel alle aus Brasilien, die Blutorangen alle aus Sizilien. Aber auch diese Strukturen sind landwirtschaftlich geprägt und haben daher Ähnlichkeit mit den Beschaffungsstrukturen der Milch. Nach einem Jahr hatten wir die Beschaffungsstruktur aufgebaut.“ Das bewährte Konzept der Handelsmarken hat Gropper auch bei den Direktsäften und Smoothies beibehalten.

Die Bedeutung von Innovationen

Müssen Unternehmen wachsen, um am Markt Erfolg zu haben? Auf die Frage antwortet Christian Oppitz mit einem klaren „Nein“. „Aber Unternehmen müssen innovativ sein, sich immer wieder weiter entwickeln. Das Wachstum bei Gropper hat sich einfach daraus ergeben, dass wir ein geschätzter Partner waren. Der Handel hat nach Bio-Produkten gefragt, also haben wir unsere Palette erweitert. Der Handel hat uns nach Produkten für internationale Märkte gefragt (Gropper-Produkte finden sich bei Lidl in 27 Ländern), also haben wir auch unsere Produktion ausgebaut. Wir sehen Möglichkeiten und nutzen diese.“

Wie entwickeln sich die Märkte in der Zukunft? Christian Oppitz bringt es so auf den Punkt: „Es geht im Grunde darum, Satte hungrig zu machen. Um auf gesättigten Märkten zu bestehen, braucht es neue, innovative Produkte. Daher entwickeln wir bei Gropper immer wieder Konzepte und Ideen für neue Produkte, inklusive der Verpackung. Ein großer Markt, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist, sind zum Beispiel conveniente Produkte wie die Kaffeegetränke aus dem Kühlregal.“ Mittlerweile hat diese Produktgruppe bei Gropper einen Anteil von fast 25 Prozent. Für die Entwicklung neuer Produkte gibt es bei der Molkerei Gropper auch die Innovationswerkstatt mit Mitarbeitern aus den verschiedensten Abteilungen, wobei das Team immer wieder neu besetzt wird. Die Mitarbeiter bewerben sich aus eigener Initiative um einen Platz.

Ein Blick in die Zukunft

Neben der weiter zunehmenden Notwendigkeit zur Diversifizierung aufgrund der satten Märkte sieht Christian Oppitz die zunehmende Entwicklung Richtung Online-Handel im Bereich der Lebensmittel als eine treibende Kraft. „In den großen Städten der USA ist dies längst der Fall, dort geht man nicht selbst einkaufen, sondern lässt sich die Ware 3- bis 4-mal die Woche liefern. Für die Generationen, die heute noch im Laden ihre Lebensmittel einkaufen, mag das seltsam sein. Aber die heute 10- bis 15-Jährigen wachsen damit auf, für die wird das selbstverständlich sein, diese Verknüpfung von online und offline.“

Sein großer Wunsch für die Zukunft ist, dass die Wertigkeit der Lebensmittel wieder steigt. „Wenn ein qualitativ hochwertiger Fruchtjoghurt nur 29 Cent kostet, dann bleibt bei den einzelnen Beteiligten der Wertschöpfungskette kaum etwas übrig.“ Darum ist Christian Oppitz auch im Bündnis "Wir retten Lebensmittel" (siehe Link unten). „Ich bin überzeugt davon, dass viele LM nur weggeschmissen werden, weil sie viel zu billig sind. Das ist eine über Generationen anerzogene Preissensibilität und es wird auch Generationen dauern, dies wieder zu ändern.“ Von politischen Lösungen für dieses Problem hält Christian Oppitz nichts. Das Problem muss für ihn von innen gelöst werden, von der Gesellschaft aus.

Bündnis "Wir retten Lebensmittel!" Externer Link

Zukunftstage Lebensmittel

  • Zukunftstage2017_Logo

Cluster Ernährung

  • Logo Cluster Ernährung

Molkerei Gropper

  • Logo_Molkerei Gropper