Ralf Schmitt, Geschäftsführer Marketinggesellschaft fränkische Rennsteigregion
„Ein Konzept wie das Tropenhaus hat eine klare Zukunft in der Region“

Porträtfoto von Ralf Schmitt

Bild: Ralf Schmitt

Ralf Schmitt, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft für die fränkische Rennsteigregion, spricht über die Entwicklung der Region Frankenwald, die Marke "fei echt" – und über das Tropenhaus, als dessen ehemaliger Geschäftsführer und aktueller ehrenamtlicher Projektbetreuer.

Seit Dezember 2016 ist Ralf Schmitt Geschäftsführer und Projektleiter der Marketinggesellschaft für die fränkische Rennsteigregion GmbH & Co. KG – sowie ehrenamtlicher Projektberater des Tropenhauses am Rennsteig, das er als ehemaliger Geschäftsführer mit aufgebaut hat.

„Zierpflanzen oder Tropenobst, das gibt sich nichts“

Ralf Schmitt wuchs bereits in einer Familie aus Gärtnern auf und ist selbst Gärtnermeister mit Schwerpunkt Zierpflanzenbau. Zudem hat er einen Abschluss als geprüfter Wirtschafter, Fachrichtung Marketing, und hat vor Kurzem erfolgreich seinen Abschluss als Gewürz-Sommelier gemacht.

„Im Herzen bin und bleibe ich aber ein Praktiker“, erklärt Ralf Schmitt. Was auch der Grund ist, dass er Geschäftsführer des Tropenhauses wurde: Vor über fünf Jahren entdeckte er die Stellenausschreibung für die Geschäftsleitung des Tropenhauses, bewarb sich – und setzte sich aufgrund seiner Praxiserfahrung gegen zahlreiche MitbewerberInnen durch. Dank des Schwerpunkts seiner Ausbildung auf Zierpflanzenbau, kannte er sich mit Zierpflanzen bestens aus – und somit mit tropischen Pflanzen, „da Zierpflanzen praktisch immer aus den Tropen kommen“. Aus pflanzenbaulicher Sicht war die Aufgabe somit keine so große Umstellung, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Maracujablüten im Tropenhaus in Kleintettau, ©Ralf Schmitt

Maracujablüten im Tropenhaus in Kleintettau, ©Ralf Schmitt

Die Marketinggesellschaft für die fränkische Rennsteigregion

In seiner jetzigen Position ist es seine Aufgabe, der Region zu wirtschaftlichem Aufschwung zu verhelfen, indem lokale Akteure aus der Wirtschaft und private Initiativen vernetzt – und letztendlich Wertschöpfungsketten in der Region Kronach gesteigert werden. Finanziert wird das Ganze im Rahmen des Modellvorhabens „Land(auf)Schwung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Die Rolle von Ralf Schmitt ist das Netzwerken und die Koordination – zwei Talente, die er auch schon als Geschäftsführer des Tropenhauses unter Beweis stellen durfte.

Ein weiteres Ziel der Marketinggesellschaft ist der Aufbau einer regionalen agrarwirtschaftlichen Produktlinie – "fei echt". Dieses "regionale Mini-Siegel" soll allerdings für die gesamte Region Frankenwald stehen. Die Gespräche, wie die Landkreise Kulmbach und Hof einbezogen werden, sind bereits in vollem Gange.

Logo des regionalen Siegels Frankenwald "fei echt"

Neben dem Tropenhaus in Kleintettau betreut die Marketinggesellschaft noch weitere Projekte: Das Europäische Flakonglasmuseum und das Glascafé sowie die Schottische Hochland-Rinderzucht Frankenwald. Alle Projekte sind interessierten Besuchergruppen zugänglich. An den Wochenenden übernimmt auch Ralf Schmitt weiterhin fachkundige Führungen durch das Tropenhaus.

Das Tropenhaus "Klein Eden"

Im Februar 2012 übernahm Ralf Schmitt die Geschäftsführung des Tropenhauses, das er bis Ende 2016 leitete. Grundlage des Tropenhauses ist Niedertemperatur-Abwasser aus der Glasindustrie. Heute wachsen im Tropenhaus auf rund 3.500 m2 exotische Früchte und Gewürze. Und im Wasser zu Füßen der Bäume schwimmen Nilbarsche und Tilapias, die im Kreislauf des Tropenhauses eine wichtige Rolle spielen. „Wir beziehen Abwasser mit einer Temperatur von rund 38°C aus der Glasproduktion für die Wärmeversorgung. In den Gewächshäusern erzeugen etwa 100 Warmluftgebläse eine Raumlufttemperatur von 20 bis 24°C. Zudem setzen wir auf ein Polykultursystem: Ressourcen wie Energie, Wasser und Nährstoffe werden mehrfach genutzt, mit dem Abwasser von unseren Fischen düngen wir zum Beispiel die Pflanzen.“

Finanziert wurde „Klein Eden“ als Forschungseinrichtung von August 2011 bis Juni 2014 zu 90 Prozent aus EU-Mitteln. Seit die Fördergelder ausgelaufen sind, muss das Tropenhaus sich selbst finanzieren. „Als gemeinnützige Gesellschaft darf das Tropenhaus die Produkte aber nicht gewinnorientiert verkaufen, sondern zum Deckungskostenpreis und nur als Rohware abgeben“, erklärt Ralf Schmitt. Zudem finanziert das Tropenhaus sich über Eintrittsgelder und Spenden (was wiederum nur aufgrund der Gemeinnützigkeit möglich ist). Verkauft werden die Produkte an Weiterverarbeiter oder Gastronomen, zum Beispiel an Hermann’s Romantik Posthotel in Wirsberg.
Auszeichnungen des Tropenhauses
Seit August 2017 ist die gesamte Tropenhausanlage nach EU-Bio zertifiziert. Zudem erhielt sie 2012 eine Auszeichnung als Leuchtturmprojekt vom Umweltcluster Bayern sowie 2016 den miteinander-Preis vom Bayerischen Sozialministerium aufgrund der barrierefreien Führungen für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen. Jährlich besuchen rund 25.000 Besucher die Anlagen.

Anbau von Tropenfrüchten in der Region?

Ralf Schmitt ist von der ökologischen Seite des Konzepts überzeugt, und die Auszeichnung als Leuchtturmprojekt vom Umweltcluster Bayern im Jahr 2012 gibt ihm Recht. „Mithilfe des Niedertemperaturwassers, das bisher nicht genutzt wurde, erzeugen wir frisches Obst, das in der Qualität an Flugware heranreicht – aber mit einem viel geringeren ökologischen Fußabdruck. Dadurch werden weniger CO2 und Schadstoffe in die Luft geblasen.“

Um wirtschaftlich wirklich auf eigenen Füßen stehen zu können, ohne auf Spenden angewiesen zu sein, müsste das Konzept laut Ralf Schmitt aber geändert werden. „Die Anbaufläche müsste von aktuell 3.500 auf 5.000 m2 vergrößert werden. Und es müssten weniger Sorten angebaut werden, damit sich mehr Aufgaben automatisieren lassen. Dann würden zwei Mitarbeiter genügen (eine Person in Vollzeit, eine in Teilzeit). Zudem müssten die Produkte weiterverarbeitet werden, aufgrund der Wertsteigerung, und es sollte einen Besuchsraum mit Bistro und einen Shop mit Merchandising-Produkten geben. Das wird auch jetzt schon nachgefragt, aber aufgrund der Gemeinnützigkeit ist es bislang nicht möglich.“

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