Pressemitteilung
Neue Metaanalyse zu Lebensstilinterventionen in der Schwangerschaft

(25.07.2017) Freising/Kulmbach – Eine aktuelle Metaanalyse1 der Daten von über 12.000 Schwangeren zeigt: Lebensstilinterventionen während der Schwangerschaft sind wirksam. Das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes konnte durch Änderungen im Ess- und Bewegungsverhalten der Schwangeren um 24 Prozent gesenkt werden.

Die Ergebnisse der Studie "Effect of diet and physical activity based interventions in pregnancy on gestational weight gain and pregnancy outcomes: meta-analysis of individual participant data from randomised trials"2 wurden am 19. Juli 2017 im britischen Fachjournal British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht. Die Studienergebnisse unterstützen die Empfehlungen für schwangere Frauen, sich während der Schwangerschaft ausgewogen zu ernähren und regelmäßig zu bewegen. Eine solche Lebensstilintervention wird zurzeit auch im Rahmen des Projektes „Gesund leben in der Schwangerschaft“ (GeliS) durchgeführt.
"Gesund leben in der Schwangerschaft" (GeliS)
Übergewicht vermeiden und die Gesundheit von Mutter und Kind stärken – das ist das Ziel des Kooperationsprojektes „Gesund leben in der Schwangerschaft“ (GeliS) unter Leitung von Prof. Dr. med. Hans Hauner an der Technischen Universität München-Weihenstephan (TUM) und dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn). 2.286 Schwangere nehmen in zehn Regionen in Bayern an der Interventionsstudie teil.

Die Hälfte der Schwangeren hat drei ausführliche Beratungsgespräche über Ernährung und Bewegung mit dafür speziell geschulten Hebammen und medizinischen Fachangestellten geführt. Ein zusätzliches Beratungsgespräch nach der Geburt des Kindes hat das Projekt abgerundet. In den Vergleichsregionen haben die Schwangeren an der üblichen Schwangerenvorsorge teilgenommen. Auf diesem Wege soll der Erfolg der Beratungsgespräche deutlich werden. Durch Prävention „von Anfang an“ trägt das Projekt dazu bei, kindliches und mütterliches Übergewicht zu vermeiden sowie Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen zu reduzieren. Die Ergebnisse der GeliS-Studie werden unter anderem von Vertretern der Wissenschaft und des Gesundheitswesens sowie der Öffentlichkeit mit Spannung erwartet. Die Pilotstudie der GeliS-Studie ging als eine von insgesamt 36 Interventionsstudien in die aktuell erschienene Metaanalyse ein.
Von einem gesunden Lebensstil profitieren Mutter und Kind
Ein gesunder Lebensstil der Mutter während der Schwangerschaft ist nicht nur für sie selbst vorteilhaft, sondern auch für ihr Kind. Laut den Studienergebnissen der Metaanalyse wird die Gewichtszunahme der werdenden Mutter während der Schwangerschaft begrenzt und das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes sowie für einen erforderlichen Kaiserschnitt reduziert. "Eine Lebensstilberatung vonseiten der Gynäkologinnen und Gynäkologen als auch im Rahmen der Vorsorge durch Hebammen sollte Teil der Routineversorgung für Schwangere werden", fordert die beteiligte britische Forscherin Prof. Shakila Thangaratinam.
Die Hauptergebnisse der Metaanalyse im Überblick
Die Studienergebnisse zeigen, dass eine kombinierte Lebensstilberatung in Bezug auf Ernährung und körperliche Aktivität die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft um 0,7 kg verringert, im Vergleich zur Kontrollgruppe, die keine Lebensstilberatung erhalten hat. Gleichzeitig wird das Kaiserschnittrisiko um zehn Prozent reduziert. Ein Kaiserschnitt ist mit einer erhöhten Infektionsgefahr bei der Mutter und häufiger mit Atemschwierigkeiten beim Kind verbunden. Auch das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes konnte um 24 Prozent gesenkt werden. Dieser erhöht das Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen.
Fußnoten
1 Bei einer Metaanalyse handelt es sich um eine statistische Analyse einer großen Sammlung von Analyseergebnissen mehrerer Einzelstudien, die dadurch zusammengeführt werden. Bei der hier durchgeführten IPD-Metaanalyse (IPD = individual participant data) wurden individuelle Teilnehmerdaten verschiedener, aber vergleichbarer Studien gemeinsam ausgewertet.

2 Deutsch: „Auswirkungen von Lebensstilinterventionen in der Schwangerschaft in den Bereichen Ernährung und Bewegung auf die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und den Schwangerschaftsverlauf: Metaanalyse individueller Teilnehmerdaten aus randomisierten Interventionsstudien.“

Über KErn

Das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) bündelt das Wissen rund um die Ernährung in Bayern. KErn konzipiert Fachveranstaltungen und unterstützt die bayerische Ernährungswirtschaft. Für verschiedene Zielgruppen werden Informationsmaterialien und Modellprojekte entwickelt. KErn gehört zum Ressort des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).

Ansprechpartnerinnen für weitere Informationen:

Eva Rosenfeld
Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)
Am Gereuth 4
85354 Freising
Tel.: 08161-71-2778
Fax: 08161-71-2793

Nicoleta Culiuc
Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn)
Am Gereuth 4
85354 Freising
Tel.: 08161-71-2785
Fax: 08161-71-2793
E-Mail: presse@kern.bayern.de