Forschungsprojekt
Digitale Rohstoffbörse für nachhaltige Rohstoffe

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©M. Schuppich/fotolia.com

Eine digitale Rohstoffbörse bietet einen neuen Ansatz für ein nachhaltiges Rohstoffmanagement. Erzeugern und Herstellern, auch aus dem Mittelstand, eröffnet sich damit die Chance, am plattformgestützten Handel zu partizipieren – bei gleichzeitig prognostizierbaren Warenwerten.


Bereits 2010 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die „Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ ins Leben gerufen. Deren Ziel ist die vollständige Nutzung nachwachsender Rohstoffe aus land- und forstwirtschaftlicher Produktion. Gefordert ist eine Abkehr von begrenzt verfügbaren, fossilen Ausgangsmaterialien – hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft. Immer mehr Branchen setzen mittlerweile bei der Wahl ihrer Grundprodukte bewusst auf nachwachsende Rohstoffe.

Kontext des Projekts

Obwohl es zahlreiche Projekte gibt, die nachwachsende Rohstoffe fördern, fehlt ein effizientes Bindeglied, das Angebot und Nachfrage für das breite Spektrum dieser Rohstoffe transparent zusammenbringt. Hersteller von biobasierten Produkten und Start-ups können davon profitieren. Erzeuger aus der Landwirtschaft finden Abnehmer für bislang ungenutzte Ressourcen und können daraus zusätzliche Einnahmequellen generieren.

Ziele des Projekts

Das Projekt „Entwicklung einer digitalen Rohstoffbörse für nachhaltige Rohstoffe“ soll Akteure der biobasierten Wirtschaft über eine digitale ökonomische Plattform zusammenführen. Rohstoffe aus der Landwirtschaft – mit den vielfältigen Zwischenprodukten aus unterschiedlichen Absatzstufen sowie Kaskadenprodukten bspw. aus der Nahrungsmittelverarbeitung – können damit sichtbar und verfügbar gemacht werden.
Logo mit dem Schriftzug Digitale Rohstoffbörse für nachhaltige Rohstoffe
Nachwachsende Rohstoffe sind derzeit schon in vielen Alltagsprodukten enthalten, z. B. in Waschmitteln, Schmier-, Kleb- und Dämmstoffen sowie in Kosmetika. Alte und regional angebaute Sorten werden zur Herstellung von Nahrungsmitteln verwendet: Süßlupinen als Ersatz für tierisches Protein, besser verträgliche Getreidesorten in der Nudel- und Backwarenindustrie. Diese neue Form der Rohstoffbörse fördert die Bildung von Wertschöpfungsnetzwerken und schärft das Bewusstsein für den Wert und die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten nachhaltiger Roh- und Reststoffe.

Die Entwicklung und Etablierung steht im Dienste der Ressourcenschonung, Minimierung von Lebensmittelverschwendung und Abfallvermeidung. Das Stichwort ist nachhaltiges Rohstoffmanagement mit dem Ziel, nachwachsende Roh- und Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft weiterer Verwendung zugänglich zu machen. Die digitale Rohstoffbörse leistet somit einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Ressortforschung und der bayerischen Bioökonomie-Strategie.

Methode des Projekts

Zusammen mit IT-Experten des Kooperationspartners fortiss gGmbH – dem Forschungsinstitut des Freistaats Bayern für softwareintensive Systeme und Services – entwickeln wir am KErn eine effiziente digitale Handelsplattform für Akteure aus Industrie, Ernährung-, Land- und Forstwirtschaft. Mittels sog. Matching-Algorithmen und Algorithmen zur effizienten Verteilung von Wirtschaftsgütern erfolgt eine automatische Preisbildung in „Echtzeit“. Auf der Basis intelligenter und valider Vorhersage-Algorithmen sind Kauf- und Verkaufsprognosen möglich.

Die technische Ausgestaltung bietet den Nutzern ein Modell der „Echtzeitwirtschaft“ für die betriebliche Realisierung des Rohstoffmanagements, sowohl für das operative Tagesgeschäft, aber auch für die langfristige Planung. Auch die Applikation neuer digitaler Anwendungen ist integrierbar.

Aktueller Stand des Projekts

Bis Ende 2018 sind die beiden folgenden Schritte geplant:

1) Die Gründung eines Netzwerks aus wissenschaftlichen Experten und interessierten Stakeholdern sowie die Vorstellung der technischen Möglichkeiten und eine Analyse der besonderen qualitativen und technischen Anforderungen.

2) Die Gestaltung eines fachlichen Rahmens und die Ausarbeitung von Umsetzungsstrategien.
Projektinformation
Projektleitung: Silvia Hrouda
Laufzeit: 01.03.2018 – 31.12.2020
Finanzierung: StMELF
Förderkennzeichen/Fördernummer: G2/KS/17/04

Kooperationspartner

Logo der fortiss gGmbH