Forschungsprojekt
Fortlaufende Erfassung von Lebensmittelverlusten in Bayern

Hände, die mithilfe einer Gabel Spaghettireste in den Abfall geben

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Die „Fortlaufende Erfassung von Lebensmittelverlusten in Bayern“ ist eine Maßnahme im Bündnis „Wir retten Lebensmittel!“. Es ist das erste Projekt deutschlandweit, das zum einen fortlaufend die Menge der Lebensmittelverluste erfasst, und dies zum anderen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Lebensmittelproduktion tut – von der Erzeugung über Verarbeitung und Handel bis zum Kühlschrank des Verbrauchers. Ziel ist eine umfangreiche Datenbasis zu Lebensmittelverlusten, um deren Reduzierung im Rahmen des Bündnis zu dokumentieren und weitere Maßnahmen ableiten zu können. Finanziert wird das Projekt durch das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).

Hintergrund des Projekts

In Deutschland gehen jährlich 11 Mio. Tonnen Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette verloren (ohne Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Erzeugung).1 Davon sind 8 Mio. Tonnen vermeidbar2, während in Bayern ein Vermeidungspotenzial von 1,3 Mio.Tonnen an Lebensmittelverlusten entlang der gesamten Wertschöpfungskette besteht.3

Die EU und Deutschland haben das Ziel, die Verlustrate noch verzehrsfähiger Lebensmittel bis zum Jahr 2030 zu halbieren.4 Dazu braucht es verlässliche Daten über einen fortlaufenden Zeitraum als Grundlage für ein Monitoring, um die Entwicklung der Lebensmittelverluste abbilden zu können.
Für Bayern hat das KErn zusammen mit der Universität Stuttgart eine solche Datenbasis geschaffen und zwei Studien durchgeführt: „Lebensmittelverluste und Wegwerfraten in Bayern“ sowie „Potenziale zur Energieeinsparung durch Vermeidung von Lebensmittelverschwendung“.
Das Projekt „Fortlaufende Erfassung von Lebensmittelverlusten in Bayern“ baut auf diesen beiden Studien auf und wird als eine von 17 Maßnahmen im Bündnis „Wir retten Lebensmittel!“ des StMELF umgesetzt.

Weitere KErn-Projekte im Bündnis "Wir retten Lebensmittel"

Ziele des Projekts

Das Projekt hat die folgenden Ziele:

  • Die Entwicklung von Modellen für jeden Bereich der Lebensmittelkette für ein fortlaufendes Monitoring der Lebensmittelverluste in Bayern. Ein Monitoring auf einer verlässlichen Datengrundlage ist notwendig, um die Entwicklung der Lebensmittelverluste in Bayern und Fortschritte im Bündnis "Wir retten Lebensmittel!" zu dokumentieren.
  • Identifikation geeigneter Parameter für die Bewertung von Maßnahmen zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten.
  • Pflege und Erweiterung bestehender Datenbanken hinsichtlich der Erfassung von Lebensmittelabfällen in Bayern, wobei auf eine Vergleichbarkeit der Daten mit Projekten in anderen Ländern geachtet wird.

Umsetzung des Projekts

Aufbauend auf Methodik und Daten der Studie „Lebensmittelverluste und Wegwerfraten in Bayern“ werden die Verluste entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette in Bayern quantifiziert – und damit erstmals in einem deutschen Bundesland fortlaufend erfasst. Anhand spezifischer Daten von Partnern aus dem Bündnis „Wir retten Lebensmittel!“ werden zudem auch Fortschritte der Bündnisaktivitäten erfasst.

Erfahrungswerte aus der gelebten Praxis der Landwirtschaft, der verarbeitenden Industrie, des Handels und der Konsumenten werden ebenfalls in die Datenbasis integriert. Dazu werden Expertengespräche mit Vertretern der verschiedenen Wertschöpfungsstufen durchgeführt.

Aktueller Projektstand

Die fortlaufende Analyse des Lebensmittelsystems startete gleichzeitig mit dem Projektbeginn im April 2017. Im Herbst 2017 wurden Datenquellen festgelegt, Kennziffern im Rahmen des Bündnis ermittelt sowie Expertengespräche mit Stakeholdern entlang der Wertschöpfungskette geführt. Ende 2018 wird die Systemanalyse abgeschlossen sein und eine Auswahl an Bündnisteilnehmern für ein Monitoring feststehen. Die Durchführung des Monitorings ist zu Beginn des Jahres 2019 geplant, sodass das Projekt Ende Mai 2019 erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Projektpartner

Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) der Universität Stuttgart

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Projektinformation
Projektleitung: Christine Röger
Projektmanagement: Christoph Then
Laufzeit: 01.04.17–31.05.19
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
Förderkennzeichen/Fördernummer: A/17/04

Quellen

  1. Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: „Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland“, Hafner et al. 2012
  2. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 2017 – Drucksache 18/12222 –
  3. „Lebensmittelverluste und Wegwerfraten in Bayern“, Hafner et al. 2014
  4. „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“, Europäische Kommission 2011