Ernährungsprojekt BayWa Stiftung und Bildungsprogramm "GemüseAckerdemie"
Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten.

Die BayWa Stiftung stattet Schulen mit Gemüsebeeten aus, die Schüler aller Altersklassen als Schulgarten nutzen. Die GemüseAckerdemie ist ein Bildungsprogramm, um die Wertschätzung für Lebensmittel bei Kindern und Jugendlichen zu steigern und ein gesundes Ernährungsverhalten zu verankern. Durch aktive Erfahrung beim Pflanzen, Pflegen und Ernten von Gemüse lernen Schüler die Bedeutung von gesunder Ernährung und Landwirtschaft kennen.

Kinder richten Gemüse an

Kinder richten Selbstangebautes an. Bild: BayWa Stiftung

Ernährungsprojekt BayWa Stiftung
Das Projekt "Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten." startete 2013 mit 8 Schulen. Seitdem wurde das Projekt bereits an 120 Grundschulen erfolgreich umgesetzt. Über 9.000 Kinder haben dabei gelernt, dass Gemüse nicht im Supermarkt wächst und wie lecker doch gesundes, selbst geerntetes Essen schmeckt.
Portrait Dr. Christoph Schmitz

Prof. Dr. Christoph Schmitz vom Verein Ackerdemia e. V., Bild: GemüseAckerdemie

Prof. Dr. Christoph Schmitz von der "GemüseAckerdemie"
Christoph Schmitz ist Geschäftsführer von Ackerdemia e. V., Initiator der "GemüseAckerdemie" und promovierter Agrarökonom. 2014 hat er seinen Job als Wissenschaftler zugunsten der Gründung von Ackerdemia e. V. aufgegeben. 2016 wurde er von Ashoka, der weltweit führenden Organisation zur Förderung von Sozialunternehmen, für das Programm als Fellow ausgezeichnet. Im Interview erzählt er, was dahinter steckt und welche Ziele er damit verfolgt.

Was steckt hinter dem Projekt/Programm?

"Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten.":
Viele Kinder wissen heute nicht mehr, wie Obst und Gemüse wachsen und wie beispielsweise eine frisch geerntete Karotte schmeckt. Das Wissen über Lebensmittel und deren Herkunft geht immer mehr verloren. Aber das lässt sich ändern. Am besten durch eigenes Erleben mit allen Sinnen. Im Schulgartenprojekt „Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten.“ der BayWa Stiftung lernen Grundschulkinder, wo Lebensmittel herkommen, wie diese angebaut werden und was sie zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen.

Bei den Aktionstagen dürfen die Kinder selbst ran: Hochbeete aufbauen, befüllen und anschließend das eigene Gemüse einpflanzen. Und für die Stärkung wird fleißig selbst gekocht. Ernährungspädagogen geben Tipps rund um die gesunde Ernährung. In einem Ernährungsparcours lernen die Kinder zum Beispiel, wie viel Zucker und Fett in den Lebensmitteln stecken. Während des Schuljahrs pflegen die Kinder dann ihren Schulgarten selbstständig. Jedes Kind bekommt eine Aufgabe, ein bunt gestalteter Kalender erleichtert die Einteilung. Jeder Monat ist einer Gemüsesorte gewidmet, die Kinder erfahren Wissenswertes über die Pflanze und erhalten wertvolle Tipps zum Anbau. Ziel des Projekts ist es, Kindern Ernährungswissen frühzeitig zu vermitteln und die Wertschätzung der Lebensmittel zu steigern.
"GemüseAckerdemie":
Die GemüseAckerdemie ist ein ganzjähriges, praxisorientiertes Bildungsprogramm mit dem Ziel, die Wertschätzung für Lebensmittel bei Kindern und Jugendlichen zu steigern und ein gesundes Ernährungsverhalten zu verankern. Das Programm richtet sich an Schulen und Kindergärten sowie sämtliche Bildungseinrichtungen im Kinder- und Jugendbereich. Durch den Anbau von Gemüse erfahren die Kinder und Jugendlichen landwirtschaftliches Basiswissen, entwickeln ein Verständnis für gesunde Ernährung und lernen, wie Naturzusammenhänge wirken. Die anschließende Vermarktung der Ernte ermöglicht erste Einblicke in marktwirtschaftliche Prozesse.

Was macht das Projekt/Programm besonders?

"Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten.":
Das Schulgartenprojekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Die Kinder ziehen die Pflanzen im Klassenzimmer heran, bauen die Hochbeete selbst auf, pflegen das Obst und Gemüse über die Saison hinweg und verarbeiten selbstständig die Ernte. Das Projekt setzt an der Wurzel an, die Kinder lernen so den gesamten Kreislauf der Natur kennen. Das Besondere an dem Projekt ist, dass die Kinder alles selber machen dürfen. Angefangen beim Zusammenschrauben der Hochbeete bis hin zum Zubereiten der gesunden Snacks für die Stärkung. Die Schulen werden auch nach der Schulgarteneröffnung finanziell und organisatorisch von der Stiftung unterstützt.
"GemüseAckerdemie":
Die Idee zur GemüseAckerdemie stammt, wie so vieles bei uns, direkt vom Acker. Der Ausflug einer Schulklasse zum Thema Kartoffeln auf den Hof meiner Eltern brachte den Stein ins Rollen. Es war teilweise erschreckend, was die Kinder für Vorstellungen von Landwirtschaft hatten. Ich habe mir die Frage gestellt: Wie sollen Kinder an nur einem Tag nachhaltig lernen, wie Landwirtschaft funktioniert?

Mit der GemüseAckerdemie bringen wir das bewährte Konzept des Schulgartens ins 21. Jahrhundert und passen es an die heutigen Gegebenheiten und Ansprüche von Schulen, Kitas, LehrerInnen, ErzieherInnen, Kindern und Jugendlichen an. Hierzu unterstützen wir die Lehrkräfte und ErzieherInnen umfassend bei der Organisation und Durchführung, helfen bei der Vermarktung des Gemüses zur Teilfinanzierung und kommunizieren und gestalten das Thema für die Kinder positiv und attraktiv. Ziel ist es, dass sich die Kinder mit Freude und Begeisterung dem Themengebiet Lebensmittel nähern und so ganz von alleine eine höhere Wertschätzung und ein Interesse für gesunde Ernährung entwickeln.

Wie lange gibt es das Projekt/Programm und wie kommt es bei der Zielgruppe an?

"Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten.":
Das Projekt wurde 2013 von der BayWa Stiftung initiiert und hat mit 8 Schulen angefangen. Mittlerweile sind schon über 100 Schulen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen Teil des Ernährungsprojekts. Ca. 6.000 Kinder gärtnern bereits im eigenen Schulgarten und bereiten daraus gesunde Snacks und Gerichte zu. Die Kinder sind mit Begeisterung dabei und lernen spielerisch, wie man sich ausgewogen ernährt. In diesem Jahr gibt es außerdem eine Gesundheits-App für die Eltern von Grundschulkindern mit Infos über Ernährung, Bewegung und Gärtnern. Das Projekt wird laufend weiterentwickelt und ausgebaut, da es uns besonders wichtig ist, eine nachhaltige Wirkung zu erreichen. Es kommen sehr viele Anfragen von Schulen, die einen Schulgarten möchten. Das zeigt, dass es ein wichtiges Thema ist und die Initiative sehr gut ankommt.
"GemüseAckerdemie":
Bereits seit dem Pilotjahr 2014 arbeiten wir wirkungsorientiert und legen einen großen Fokus darauf, die Wirkung des Programms zu messen. Die Ergebnisse veröffentlichen wir jährlich in unserem Wirkungsbericht. Die Begeisterung aller Beteiligten sowie der erzielte Lernerfolg sind für uns die schönste Bestätigung und Motivation. Nachdem wir 2014 mit 6 Schulen gestartet sind, setzen wir die GemüseAckerdemie mittlerweile an 116 Lernorten in 11 Bundesländern in Deutschland sowie in Österreich und der Schweiz erfolgreich um.

Den aktuellen Wirkungsbericht finden Sie hier: Externer Link

Was sind Ihre Erfahrungswerte aus dem Projekt? Was lief gut, was nicht so gut?

"Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten.":
Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv. Nach dem Eröffnungstag sind Kinder, Lehrer und Schulleitung stolz und begeistert und freuen sich auf die Pflege und Ernte des Gartens. Auch die Zusammenarbeit mit den Grundschulen läuft sehr gut. Eine Herausforderung für die Schule ist es, bei häufigem Lehrerwechsel, den Schulgarten entsprechend mit den Kindern regelmäßig zu betreiben.
"GemüseAckerdemie":
Wenn die Kinder das erste Mal mit dem Thema Schulgarten in Berührung kommen, zeigen sie oftmals eine gewisse Skepsis. In der ersten Schule, an der wir die GemüseAckerdemie getestet haben, habe ich einen Jungen vor Beginn des Programms gefragt, was er erwartet. Er meinte nur: Ich bin Gamer, kein Bauer! Doch auch er ließ sich durch unser Programm im Laufe der Zeit begeistern, so weit sogar, dass er im nächsten Jahr freiwillig noch einmal teilgenommen hat. Solche Erfahrungen sind das beste Feedback, das man bekommen kann. Wir haben es geschafft, das verstaubte Image des Schulgartens aufzupolieren und ins 21. Jahrhundert zu transportieren – mit coolen Materialien, einem ganzheitlichen Konzept und natürlich mit viel Leidenschaft.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft – auch in Bezug auf Ernährungsbildung in Schulen?

"Gemüse pflanzen. Gesundheit ernten.":
Die Gesundheit ist das wichtigste Gut und dafür werden vor allem in den jungen Jahren die Weichen gestellt. Wir erleben an den Schulen, dass viele Kinder sehr wenig über gesunde Ernährung wissen und werden z. B. gefragt, ob sie das selbst geerntete Obst und Gemüse aus dem Schulgarten essen können, weil sie es bisher nur aus dem Supermarktregal kennen.
Wir wünschen uns, dass Ernährungsbildung einen festen Platz im Schulalltag findet und zusätzlich fächerübergreifend integriert wird.

Mehr Informationen über das Projekt erfahren sie unter: Externer Link

"GemüseAckerdemie":
Ich wünsche mir, dass in Zukunft jede Schule in Deutschland wieder einen Lernort in der Natur hat, an dem die Kinder die Möglichkeit haben, die Natur zu verstehen und zu erfahren wo unsere Lebensmittel herkommen!
BayWa-Schüler bauen ein Gemüsebeet

Gemüsebeet Marke Eigenbau (BayWa)

BayWa-Schüler beim Gemüseanbau

Schüler beim Gemüseanbau (BayWa)

Kinder richten Gemüse an

Selbstangebautes schmeckt! (BayWa)

GemüseAckerdemie-Schüler beim Ackern

Schüler bei der Arbeit auf dem Beet (GemüseAckerdemie)

GemüseAckerdemie-Schüler mit selbstangebautem Kohl

Schüler mit selbstangebautem Kohl (GemüseAckerdemie)

Schüler vor ihrer Ernte

Reiche Gemüseernte! (GemüseAckerdemie)