Abgeschlossenes Forschungsprojekt
Ernährungsbildung in Schulen: Ergebnisse des Kooperationsprojekts

Ein Bücherstapel vor einer Schultafel, auf dem ein Apfel liegt

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In welchen Bereichen werden Defizite in der bisherigen Ernährungsbildung vermutet? Welche Themen sollten generell im Unterricht behandelt werden? Wie gut sind unterrichtsbegleitende Materialien und Schulbücher im Bereich Ernährungsbildung? Fragen wie diese versuchte das KErn im Rahmen des Projekts „Erhebung zur Ernährungsbildung in Schulen“ zu beantworten.

Kooperationspartner

Das Projekt bestand aus zwei parallel laufenden Teilprojekten:

Im Teilprojekt 1 – durchgeführt am Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung der Technischen Universität München (TUM) – wurde eine empirische Erhebung von Erwartungshaltungen zu Themenschwerpunkten der Ernährungsbildung in allgemeinbildenden Schulen durchgeführt.

Im Teilprojekt 2 führte die Fakultät Landwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) eine Fehleranalyse in unterrichtbegleitenden Materialien und bayerischen Schulbüchern durch.

Ziel des Projekts

Hintergrund und Anlass für dieses Projekt waren die Überarbeitung der bayerischen Lehrpläne in allgemeinbildenden Schulen sowie der Landtagsbeschluss zur Einführung eines verpflichtenden Unterrichtsgegenstands „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“ in Bayern.

Ziel des Teilprojekts „Erwartungshaltungen in der Ernährungsbildung“: Erwartungen bzw. Anforderungen der verschiedenen Stakeholder an Lehrplaninhalte zu Ernährungsbildungsthemen ermitteln. Es sollten Unterschiede bezüglich der gewünschten Themen und Prioritäten sichtbar gemacht werden.

Im Teilprojekt „Materialanalyse unterrichtsbegleitender Materialien“ wurden Ernährungsbildungsinhalte in aktuellen unterrichtsbegleitenden Materialien und in Schulbüchern evaluiert. Der Fokus lag dabei auf sachlicher Richtigkeit und Aktualität. Darüber hinaus wurde die Eignung der Materialien für den Einsatz einer fächerübergreifenden Ernährungsbildung an allgemeinbildenden Schulen – mit Fokus auf den neuen Unterrichtsgegenstand „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“ – evaluiert. Außerdem wurden Empfehlungen zum fachlichen Inhalt in unterrichtsbegleitenden Materialien und Schulbüchern gegeben.

Methode des Projekts

Das 1. Teilprojekt „Erwartungshaltungen in der Ernährungsbildung“ wurde mittels einer Delphi-Befragung in zwei Wellen realisiert. Insgesamt nahmen an beiden Befragungen 231 Personen teil. Die Teilnehmer wurden in 17 Stakeholder-Gruppen unterteilt.

Das 2. Teilprojekt „Materialanalyse unterrichtsbegleitender Materialien“ untersuchte 32 unterrichtsbegleitende Materialien sowie 34 aktuell zugelassene Schulbücher in Bayern mit ernährungsrelevanten Inhalten auf sachliche Richtigkeit, Aktualität und Neutralität. Die Stichprobe der unterrichtsbegleitenden Materialien stammte aus dem Materialkompass des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Ergebnisse des Projekts

Die Befragung im 1. Teilprojekt ergab, dass ein fundiertes Wissen über Ernährung und Lebensmittel von den Stakeholdern als sehr wichtig erachtet wird. Nach ihrer Einschätzung ist der durchschnittliche Wissensstand von Schulabsolventen zu diesem Thema befriedigend bis ausreichend. Die meisten Befragten stimmten zu oder voll zu, dass sich die Entwicklung sozialer und gesundheitlicher Probleme durch entsprechende Bildungsmaßnahmen positiv beeinflussen lässt. Die allgemeinen Anforderungen an eine nachhaltige Ernährungsbildung sind in Abbildung 1 dargestellt.

allgemeine Anforderungen an eine nachhaltige Ernährungsbildung

Abbildung 1: Allgemeine Anforderungen an eine nachhaltige Ernährungsbildung
Die Befragung ergab zudem, dass Ernährung nach Meinung der Stakeholder nicht zwangsläufig in Sekundarstufe I umgesetzt werden muss, auch wenn sich viele der Themen besonders dafür eignen. Etwa drei Viertel der Befragten stimmten der Aussage zu, „Ernährungsbildung in der Sekundarstufe I vor allem in Form von verpflichtenden Modulen in bestehende Fächer zu integrieren“. In der Sekundarstufe II wird Ernährungsbildung im Rahmen eines Wahlpflichtfachs als am geeignetsten angesehen. Etwa ein Drittel der Befragten stimmte der Forderung nach einem eigenen Schulfach zu. Bei der Ernährungsbildung sahen die Befragten vor allem die Politik in der Verantwortung, gefolgt von der Schulleitung. Die Stakeholder erwarten von der Politik eine Wertschätzung und Förderung der Ernährungsbildung und eine konsequente Verankerung im Lehrplan.

Die Analyse des 2. Teilprojekts ergab, dass rund ein Viertel der untersuchten Inhalte (Sinneinheiten) der unterrichtsbegleitenden Materialien und ein Drittel der Untersuchungseinheiten der Schulbücher mängelbehaftet sind. Sowohl in den Materialien als auch in den Büchern sind die häufigsten Mängel falsche und ungenaue Informationen. Inhaltlich beschäftigen sich die unterrichtsbegleitenden Materialien vor allem mit Themen des Konsums, der häuslichen Produktion und ernährungsphysiologischen Fragestellungen, seltener mit vor- und nachgelagerten Bereichen der Lebensmittelproduktion. Die untersuchten Schulbücher behandeln inhaltlich am häufigsten das Thema Ernährungsphysiologie, gefolgt vom Thema Urproduktion. Die vollständige Wertschöpfungskette wird nur selten abgebildet, ebenso werden technische oder ökonomische Aspekte zu wenig behandelt. Insgesamt zeigt die Analyse, dass eine Qualitätssicherung von Unterrichtsmaterialien notwendig ist, um Lehrern und Schülern fachlich korrekte, überprüfte Materialien bereitzustellen.
Projektinformation
Projektleitung: Ulrike Daub
Laufzeit: 2014 bis 2015
Finanzierung: Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Projektpartner: Lehrstuhl Marketing und Konsumforschung der Technischen Universität München (TUM); Fakultät Landwirtschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT)
Förderkennzeichen/Fördernummer: A/14/06

Kooperationspartner

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  • HS Weihenstephan-Triesdorf