Nachbericht zum GastroRegioTag am 27. November 2017
Es braucht Vertrauen und authentische Geschichten hinter regionalen Produkten

Am 27. November fand der erste bayerische GastroRegioTag von "Wirt sucht Bauer" in Bayreuth statt. Erzeuger und Gastronomen konnten sich suchen – und vor allem live vor Ort finden. Zuvor erlebten die rund achtzig Teilnehmenden aber interessante Impulsvorträge, von der Theorie bis zu praktischen Erfolgsbeispielen aus Gastronomie und Ernährungshandwerk. In Kontakt kommen konnten die Teinehmenden beim einstündigen Genuss-Speed-Meeting.

Zum Auftakt der Veranstaltung erklärte Rainer Prischenk, der Leiter des KErn: „Ich freue mich, dass unsere Gastroplattform „Wirt sucht Bauer“, die 2015 vom Cluster Ernährung aufgebaut wurde, um regionale Kooperationen zu unterstützen, in Zukunft einen dauerhaften Platz am KErn einnehmen wird.“

Regionale Produkte benötigen Vertrauen und Wertschätzung

Prof. Gottwald beim Eröffnungsvortrag

Prof. Gottwald bei seinem Vortrag

Den Theoriepart übernahm Professor Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth Stiftung und des Vereins Kulinarisches Erbe Bayern. In seinem Vortrag ging es um „Regionalität als Spiegel des kulinarischen Erbes“. Er betonte, dass es bei regionalen Produkten um Kulturgüter geht – und dass Wertschätzung für die Handwerkskunst und Vertrauen in die Anbietenden die entscheidende Rolle spielen, damit die Produkte wirklich bei den Konsumenten ankommen.

Jürgen Lochbihler vom Gasthaus Der Pschorr in München berichtete aus der Praxis seiner Gastwirtschaft. Als praktischen Tipp gab er den Zuhörenden mit: „Konzentrieren Sie sich zu Anfang auf ein Produkt. Das zweite und dritte Produkt begegnet Ihnen irgendwann und zu dem Zeitpunkt können Sie auf bestehende Kooperationen aufbauen und wachsen mit Ihren Produkten.“ Beim Pschorr gehen alle Mitarbeitenden regelmäßig zu Betriebsbesichtigungen. „Dort sollten sie was essen und mitnehmen können, damit der Besuch im Gedächtnis bleibt und sie ein Gefühl für das Produkt entwickeln – und dafür, warum der höhere Preis angemessen ist“, erläuterte Jürgen Lohbichler. Dadurch werden die Mitarbeiter im eigenen Haus zu „Botschaftern des Geschmacks“. Zudem stellte der Wirt die BayernOx Vertriebs GmbH vor, einen Zusammenschluss mehrerer Münchner Innenstadtwirte. Dadurch können die Wirte regionales Rindfleisch kaufen und dieses auch „von der Nase bis zum Schwanz“ verarbeiten. Dies erfordere aber auch ein Umdenken von „Was schreiben wir auf die Karte und was kaufen wir dafür ein?“ hin zu „Was ist in der Kühlung, was kochen wir?“.

„Die Kunden wollen die Geschichte hinter dem Produkt kennen“

Andreas Fickenscher berichtet über das HeimatbrotZoombild vorhanden

Andreas Fickenscher erzählt von seinem Heimatbrot

Drei erfolgreiche Praxisbeispiele wurden auf der Veranstaltung vorgestellt: Im Heimatbrot von Andreas Fickenscher kommen vom Mehl über Gewürze, Bierkruste und Aufstrich alle Zutaten aus der Region, darunter zahlreiche Slow-Food-„Archepassagiere“ wie die Schwarzblaue Frankenwälder Kartoffel. Das Rezept wiederum wurde mithilfe einer Online-Umfrage unter Beteiligung von mehr als 160 Personen entwickelt. Andreas Fickenscher zog das Fazit: „Wenn eine authentische Geschichte zum Produkt erzählt werden kann, dann lässt sich auch ein fairer Preis erzielen.“

Friedrich Sponsel serviert in seinem Brennerei-Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“ größtenteils Produkte aus der eigenen Landwirtschaft. „Gastro-Regio“ ist bei ihm Programm: vom Teller bis ins Schnapsglas.
Ralf Schmitt berichtet über das TropenhausZoombild vorhanden

Ralf Schmitt berichtet über das Tropenhaus

Und im Tropenhaus in Kleintettau, das dank der Abwärme aus der benachbarten Glasproduktion heranwuchs, werden regional erzeugtes und bio-zertifiziertes Tropenobst und exotische Gewürze geerntet. Vorgestellt wurde das Konzept des Tropenhauses vom Geschäftsführer der Marke-tinggesellschaft Fränkische Rennsteigregion, Ralf Schmitt. Der frühere Geschäftsführer des Tropenhauses ist heute ehrenamtlicher Projektleiter des Tropenhauses und hat im Interview in nachfolgendem Link noch mehr zu erzählen:

„Ein Konzept wie das Tropenhaus hat eine klare Zukunft in der Region“

Wirt sucht Bauer live: Genuss-Speed-Meeting

Reger Austausch beim Genuss-Speed-Meeting
Nach den theoretischen Vorträgen ging es ans praktische Kennenlernen, beim „Genuss-Speed-Meeting“. Ein 6-Personen-Tisch hatte jeweils sechs Minuten Zeit, sich auszutauschen, das eigene Produkt oder die eigene Gastronomie vorzustellen und Kontaktdaten auszutauschen. Die Tische waren dabei auf der einen Seite mit Erzeugern, auf der anderen mit Gastronomen besetzt. Nach sechs Minuten wurde zum nächsten Tisch gewechselt. Die Teilnehmenden waren von der Runde durchweg angetan, da sie dadurch tatsächlich mit fast allen Anwesenden ins Gespräch kommen konnten – wenn auch nur kurz.

„Konsumenten können beim Totalphänomen Essen das totale Glück erfahren"

Podiumdiskussion beim GastroRegioTag2017Zoombild vorhanden

Tobias Bätz, Prof. Franz-Theo Gottwald und Alexander Sponsel auf dem Podium

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion standen Prof. Franz-Theo Gottwald, Tobias Bätz (Sternekoch), Matthias Stenglein (Spargelproduzent), Rüdiger Strobel (Metzger) und Alexander Sponsel (Brenner) auf der Bühne.

Ein Punkt, der angesprochen wurde, war die nötige Flexibilität aller Beteiligten. Alexander Sponsel nahm die Verbraucher in die Pflicht: „Man muss als Wirt auch mal sagen können, dass es etwas nicht mehr gibt. Dann gibt es sonntags eben einmal keinen Schweinebraten, sondern ein anderes Gericht.“ Matthias Stenglein forderte flexiblere Öffnungszeiten bei Erzeugern, die Bereitwilligkeit, Besucher auf dem Hof zu empfangen, sowie mehr Flexibilität auf der Speisekarte vonseiten des Wirts und der Verbraucher.

Zum Abschluss brachte Prof. Gottwald das Geheimnis einer gelungenen Kooperation folgendermaßen auf den Punkt: „Konsumenten können beim Totalphänomen Essen das totale Glück erfahren.“ Wenn Verbraucher spüren, dass sie ein besonderes Produkt bekommen, ein kulturelles Gut, dem sie „Verehrung“ entgegenbringen können, dann sind sie auch bereit, mehr zu bezahlen.

Impressionen vom GastroRegioTag

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