Bereich Ernährungswirtschaft und Produktion
Unsere Zukunft isst Bio! Regional!

Kinder rennen über einen Schulhof.

©Christian Schwier/fotolia.com

In Bayern gibt es über 1300 offene Ganztagesschulen und über 900 gebundene Ganztagesangebote. Diese Einrichtungen sind dazu verpflichtet, ihren Schülern ein Mittagessen zu bieten. Der Qualitätsstandard für die Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt, neben der ernährungsphysiologischen Qualität auch auf Nachhaltigkeitsaspekte wie Regionalität und ökologische Erzeugung bei der Auswahl von Lebensmitteln zu achten.

Im Rahmen des 4. Bayerischen Schulverpflegungskongresses am 21. Mai 2015 ehrte Staatsminister Helmut Brunner die Modellschulen und Speisenanbieter von „Unsere Zukunft isst oberfränkisch! Schulessen aus der Region für die Region“ für ihre Teilnahme und ihr Engagement während der Modellphase im Schuljahr 2013/2014. Der daraus entstandene Praxisleitfaden, den die Projektkoordinatoren, die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Oberfranken und das KErn entwickelten, kommt nun bayernweit als Beratungsunterlage zum Einsatz.
Eine zweite Projektphase mit dem Titel „Unsere Zukunft isst Bio! Regional!“ wird 2015/2016 mit neuen Zielen und Ansätzen umgesetzt. Dies geschieht im Rahmen des Landesprogramm BioRegio 2020, welches vom Bayerischen Staatsministerium initiiert wurde und das Ziel verfolgt, die Erzeugung von Bioprodukten in Bayern bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau geschaffen werden.

Ziele und Umsetzung

In der zweiten Projektphase wird das Thema „Bio-Regio“ verstärkt aufgegriffen. Es werden jeweils eine Zubereitungs- und eine Verteilerküche, die jeweils mindestens eine Schule und eine KiTa mit Mittagsverpflegung versorgen, intensiv unterstützt und gecoacht. Für die Erhöhung der Akzeptanz von bio-regionalem Essen wird ein Kommunikationskonzept erarbeitet und getestet. Im Hintergrund werden bayernweit Erzeuger und Verarbeiter von bio-regionalen bzw. regionalen Produkten recherchiert und der Dialog mit dem Großhandel gesucht.
Mit zwei Schulen, KiTa´s und Speisenanbietern aus dem Raum Bamberg und Forchheim startete „Unsere Zukunft isst Bio! Regional!“ in die Modellphase (Schuljahr 2015/2016). Gemeinsam versuchen die Projektkoordinatoren mit den Modellschulen, KiTa´s und Speisenanbietern bio-regionale Produkte einzusetzen und die Akzeptanz des Schulessens in Form von Aktionen bzw. anderen Kommunikationsmaßnahmen zu erhöhen. Bisher wurden Gespräche mit bereits bestehenden Lieferanten der Speisenanbieter geführt, die Speisepläne optimiert und Aktionstage in den Schulen und KiTa´s geplant. Des Weiteren werden zusätzliche Aktionstage, die das Thema Bio-Regio aufgreifen organisiert. Um die Umstellung voranzubringen und die Verfügbarkeit der bio-regionalen Lebensmittel für die Speisenanbieter zu analysieren und zu erfassen, sind Gespräche mit dem konventionellen und ökologischen Handel geplant. Die Erkenntnisse aus der Modellphase werden in die Leitlinien für die Schulverpflegung einfließen.

Modellphase 2013/2014

Im Frühjahr 2013 wurde das Projekt „Unsere Zukunft isst oberfränkisch! Schulessen aus der Region für die Region“ ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist, den Einsatz regionaler Produkte und Anbieter im Bereich Schulverpflegung in Oberfranken zu verstärken. Die Verwendung von regionalen Produkten findet unter Berücksichtigung des DGE-Qualitätsstandards für die Schulverpflegung statt.

Sechs Modellschulen und ihre Speisenanbieter nahmen am Projekt teil. Für einen möglichst hohen Erkenntnisgewinn wurde bei der Auswahl der Modellschulen bewusst darauf geachtet, unterschiedliche Schulformen und Küchensysteme einzubeziehen (siehe Liste). Die Betreuung der Modellschulen und Speisenanbieter lehnte sich an das Konzept des Coaching-Projekts Schulverpflegung der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern an. Während der Laufzeit der Pilotphase (Schuljahr 2013/2014) stellte sich bei den Speisenanbietern der Erfolg mit dem Einsatz regionaler Produkte ein. Dadurch kamen über 500 Schüler in den Genuss regionaler Lebensmittel. Hinzu kamen Kinder und Jugendliche anderer Einrichtungen sowie Senioren, die vom gleichen Speisenanbieter bekocht wurden wie die Modellschulen.

Schulformen und Verpflegungssysteme:

  • Grundschule: Aufbereitungsküche (Cook & Chill)
  • Grundschule: Verteilerküche
  • Grund- und Mittelschule: Frisch- und Mischküche
  • Grund- und Mittelschule: Verteilerküche
  • Gymnasium: Frisch- und Mischküche
  • Gymnasium: Verteilerküche

Auftaktveranstaltung

Der offizielle Startschuss fiel am 20.11.2013 im Rahmen einer Auftaktveranstaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bayreuth. Schulleitungen und Fachlehrer der Modellschulen, Speisenanbieter und Sachaufwandsträger informierten sich über Beispiele anderer Regionalinitiativen in Schul- und Gemeinschaftsverpflegung und diskutierten die eigenen Veränderungsmöglichkeiten.

Aktionstage

In der Woche nach der Auftaktveranstaltung starteten die Modellschulen mit Aktionstagen vor Ort in das Modellprojekt. Gesundheitsförderliches Essen aus regionalen Zutaten war für die Schülerinnen und Schüler Thema im Unterricht, an Projekttagen oder bei Exkursionen. Daneben waren die Aktionstage Anlass, das Projekt, die Schulmensa und den Speisenanbieter vorzustellen.

Mensatage

Im Frühjahr 2014 feierte das Projekt schon erste Erfolge in der Produktumstellung: Jeder Speisenanbieter konnte bereits ein Produkt aus der Region beziehen. Um die ersten Erfolge in der Schulfamilie publik zu machen und dem Speisenanbieter vor allen Anspruchsgruppen die Möglichkeit zu geben sich vorzustellen, wurden Mensatage in den Schulen organisiert. Neben den Schülern, Lehrern, Vertretern des Elternbeirates und dem Sachaufwandsträger, waren auch Vertreter der Medien anwesend. An den Mensatagen wurden der regionale-saisonale Wochenspeiseplan und die regionalen Produkte des Speisenanbieters ausgelobt. Dabei wurde die Gelegenheit genutzt, das Thema Regionalität in der Schulfamilie bekannter zu machen.

Kooperation mit der Hochschule Coburg

Im zweiten Studienjahr erhielt vom KErn ein Studententeam den Auftrag, innerhalb des Moduls “Interdisziplinäres Projekt” über zwei Semester die Marktchancen einer gesunden, regional produzierten und bezahlbaren Schulverpflegung zu untersuchen. Dabei stand das Projektteam über die gesamte Projektlaufzeit im engen Austausch mit dem KErn. Zusammengesetzt hat sich das neunköpfige Team aus den Studiengängen BWL und Integrative Gesundheitsförderung.
Die Gruppe leistete für das Projekt „Unsere Zukunft isst oberfränkisch“ wichtige Vorarbeiten zur Akquise von Schulen, die an einer Umstellung ihrer Mittagsverpflegung auf regionale und gesunde Produkte interessiert sind. Zudem entwickelten die Studenten Ideen, wie auch bei den Eltern und Schülern die Akzeptanz für eine gesunde Ernährung mit regionalen Produkten gesteigert werden kann.
Über die Ergebnisse informierte das studentische Projektteam anschließend auf der öffentlich zugänglichen Veranstaltung „Projekt & Praxis – Studentische Abschlusspräsentation“ in Coburg. Mit der Übergabe des Projekthandbuchs an das KErn schlossen die Studenten Semesterarbeit erfolgreich ab.

Der Coburger Weg

Das Modul Interdisziplinäres Projekt ist Teil des „Coburger Wegs“. Dieses zukunftsorientierte Projekt der Hochschule Coburg hat das Ziel, die Studienbedingungen zu verbessern und die Studier- und Berufsfähigkeit zu erhöhen. Der Coburger Weg wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Neben der individuellen Förderung der Studenten und der professionellen Auswertung steht die Interdisziplinarität im Vordergrund des Drei-Säulen-Programms.

Aus dem Magazin "Schule und Beratung" (SuB)

Erste Ergebnisse des Modellprojekts „Unsere Zukunft isst oberfränkisch!“
Schulverpflegung mit regionalen Produkten

Im Frühjahr 2013 wurde das Projekt „Unsere Zukunft isst oberfränkisch! Schulessen aus der Region für die Region“ ins Leben gerufen. Ziel des Projekts war es, den Einsatz regionaler Produkte und Anbieter im Bereich
Schulverpflegung in Oberfranken zu verstärken. Mehr