Interview mit dem Leiter des KErn, Rainer Prischenk
"Eine zentrale Frage bleibt, wo unsere Lebensmittel in Zukunft herkommen."

Rainer Prischenk, Leiter des KErn

Rainer Prischenk, neuer Leiter des KErn, Bild: Prischenk

Im Juni 2017 hat er die Leitung des KErn übernommen: Rainer Prischenk. Der Agrarwissenschaftler kann auf langjährige Erfahrung als Landwirtschaftlicher Berater, als Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth sowie als Leiter der Gruppe Landwirtschaft und Forsten an der Regierung von Oberfranken zurückblicken.

Vor dem Wechsel ans KErn hat er als Leiter der „Gruppe Landwirtschaft und Forsten“ sowie im Referat „Ressourcenschutz in der Landwirtschaft, Düngung und Pflanzenschutz“ im Ministerium dem bayerischen Wasserpakt zu einem erfolgreichen Start verholfen.

Was waren Ihre Gründe, Agrarwissenschaften zu studieren?

Als „bayerisches Dorfkind“ bin ich auf dem Land neben einer Metzgerei aufgewachsen. Mein Vater war zwar kein Landwirt, aber in seiner Funktion als Tierarzt und Fleischbeschauer habe ich ihn regelmäßig auf landwirtschaftliche Betriebe begleitet. Zudem war mein Schwiegervater Kaufmann bei Raiffeisen und besonders im Bereich Landmaschinen tätig. Mein Interesse an der Landwirtschaft wurde also früh geweckt und ich habe das Studium der Agrarwissenschaften nie bereut.

Auf welche Erfolge in Ihrer bisherigen Laufbahn sind Sie besonders stolz?

Es gab in jeder Tätigkeit besonders positive Momente. Als landwirtschaftlicher Berater in den neunziger Jahren war es die aktive Arbeitskreisarbeit mit Schweinehaltern. Im Zuge dessen konnten wir zum Beispiel viele Betriebsentwicklungen mit artgerechten Ställen realisieren.

An den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth ist es mir mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelungen, die Bildungseinrichtung attraktiver zu gestalten – sowohl was die Inhalte angeht als auch die Räumlichkeiten betreffend. Heute sind die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth ein Anlaufpunkt für moderne Landtechnik sowie für alle Fragen rund um das Thema Erneuerbare Energien.

Besonders herausfordernd war die Verabschiedung des Wasserpakts. Daran beteiligt sind das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, berufsständische Organisationen der Landwirtschaft und des Handels, Wasserversorger und der Landesfischereiverband. Diese Partner mit zum Teil sehr unterschiedlichen Positionen an einen Tisch zu bringen, war sehr herausfordernd und ich bin stolz auf den erfolgreichen Start des Pakts.

Was hat Sie daran gereizt, die Leitung des Kompetenzzentrum für Ernährung zu übernehmen?

Mich hat es gereizt, das Thema Lebensmittel und Ernährung ganzheitlich angehen zu können. Ohne die Landwirtschaft gibt es auch keine Lebensmittel, und ohne Lebensmittel können wir uns nicht ernähren. Landwirtschaft und Ernährung sind also untrennbar verbunden, mit allen Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Umwelt und die Gesundheit des Einzelnen. Das Thema Ernährung spielt in der öffentlichen Diskussion zudem eine große Rolle. Die Menschen möchten über Ernährung informiert werden, und sie lassen sich mit dem Thema erreichen.

Als Leiter des KErn kann ich meinen landwirtschaftlichen Sachverstand einbringen. Zusammen mit dem Wissen und den vielfältigen Ausbildungen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergibt sich so ein großes Wissensnetzwerk, das eine Verzahnung von Wissenschaft, Ernährungsbildung und Ernährungswirtschaft ermöglicht.

Was sind für Sie die Fragen der Zukunft, wenn es um Ernährung und Lebensmittel geht? Und welche Rolle spielt das KErn hierbei?

Gesellschaftlich ist es für mich eine zentrale Frage, wo unsere Lebensmittel in Zukunft herkommen werden. Diese Frage war auch das Motto der diesjährigen Ernährungstage. Dabei spielen das Wachstum (von Unternehmen und der Produktion) sowie der internationale Handel eine Rolle: Wird die Bedeutung von regionalen Produkten zunehmen? Oder wird es vermehrt zu einem betriebswirtschaftlich motivierten Verdrängungswettbewerb kommen?

Auf das KErn bezogen möchte ich die folgenden Themen weiterhin stärken oder vermehrt betonen:

  • Eine gesunde Ernährung, auch in Kombination mit Bewegung
  • Wertschätzung von Lebensmitteln, wozu auch Genuss und Esskultur gehören, wie sie in der Genussakademie gefördert werden
  • Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Ernährungsbildung, bei regionalen Wertschöpfungsketten und wissenschaftlichen Expertisen
Dabei ist es mir wichtig, neutral, sachlich richtig und objektiv über unsere Themen zu informieren, ohne eine bestimmte einseitige Position einzunehmen.

Welche Themen möchten Sie am KErn weiter stärken oder neu entwickeln?

Ein aktuelles Projekt ist die Stärkung der Kommunikation, der Austausch innerhalb der unterschiedlichen Bereiche, vor allem aber die Kommunikation nach außen. In diesem Bereich spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle: Die Zahl der Menschen nimmt zu, die praktisch nur noch über das Smartphone erreichbar sind. Die Rolle von Printprodukten, wie Zeitungen oder Flyern, nimmt immer weiter ab, auch das Fernsehen verliert mehr und mehr an Bedeutung.

Es ist also von großer Bedeutung, die Menschen auf anderen Kanälen aktiv über Lösungen zu informieren: über soziale Medien wie Facebook (aktuell über den gebündelten Kanal des Staatsministeriums) oder auch über „Augmented Reality“-Produkte, die dem mobilen Nutzer zum Beispiel auf seinem Navigationsgerät bzw. der App anzeigen, wo er auf seinem Weg direkt regionale Lebensmittel einkaufen kann. In diesem Bereich werden wir auch gezielt Kooperationen nutzen und weiter aufbauen.

Zum Schluss noch eine naheliegende Frage an den Leiter des Kompetenzzentrum für Ernährung: Was essen Sie selbst am liebsten?

Es gibt eigentlich praktisch nichts, was ich nicht gern esse. Im Gegenteil: Ich probiere unheimlich gern neue Rezepte und Lebensmittel. Passend zur momentanen (herbstlichen) Jahreszeit fällt mir die Kürbissuppe ein, oder auch selbstgemachte Bandnudeln mit heimischen Pilzen, oder Roastbeef vom Weiderind mit Rosmarinkartoffeln. Auch einen Mohnkuchen lasse ich nicht lange liegen. Am liebsten ist es mir aber, wenn alles gemeinsam gekocht und in netter Gesellschaft gegessen wird!

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